Kriol Jazz

Das musikalische Highlight des Jahres 2026 auf den Kapverden war die Atlantic Music Expo (AME), die am 9. April in Praia zu Ende ging, direkt gefolgt von dem Kriol Jazz Festival, das noch bis zum 11.April läuft. Präsentiert wird eine einzigartige Mischung aus Fachmesse, Showcase-Events und Weltklasse-Konzerten.

Die Atlantic Music Expo ist eine wichtige Netzwerk-Plattform für Musikprofis aus Afrika, Europa und Amerika. Sie findet unmittelbar vor dem Jazz-Festival statt und verwandelt die kapverdische Hauptstadt Praia jedes Jahr in einen Schmelztiegel für Künstler, Produzenten und Musikprofis. Unter anderem riss Princezito von den Kapverden das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Die Topacts auf den Kriol Jazz Festival auf der Praça Luís de Camões waren in diesem Jahr Zeca di nha Reinalda von den Kapverden, Ismael Lô aus dem Senegal und die Brooklyn Funk Essentials, ein Kollektiv aus New York, das Jazz, Funk und Hip-Hop mischt.

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Kein Auskommen mit dem Einkommen

Der Verband für Verbraucherschutz auf den Kapverden gab folgende Meldung heraus: Die Kaufkraft kapverdischer Familien ist in den letzten fünf Jahren um etwa 15 % gesunken und der staatlich festgelegte Mindestlohn von 154 Euro pro Monat reicht für die Deckung einfachster Grundbedürfnisse nicht aus.

Ein gesunder Erwachsener benötigt z.B. auf der Insel São Vicente aktuell ein Minimum von 225 Euro zum Leben, in der Hauptstadt Praia sind es 300 Euro. In diesen Wert fließen Parameter wie Nahrungsmittel, Wohnen, Wasser, Energie und Kommunikation ein. Im Jahr 2022 lag dieser Wert auf São Vicente noch bei 166 Euro pro Monat.

Der rasante Anstieg der letzten Jahre geht zum allergrößten Teil auf gestiegene Lebensmittelpreise zurück. Menschen, die zu dem Mindestlohn von 154 Euro arbeiten müssen, sind damit ständig existenziell bedroht und müssen versuchen, sich noch andere Einnahmequellen zu erschließen.

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Plastikmüll auf Santa Lucia

Der Umweltverband Biosfera entfernt jährlich zirka 60 Tonnen Müll von einem nur drei Kilometer langen Küstenabschnitt der Insel Santa Lucia. Sie liegt südöstlich der Insel São Vicente und ist unbewohnt. Hauptbestandteil des Mülls sind Gegenstände aus Plastik, Fischernetze und andere Arbeitsgeräte.

Der Arbeit von Biosfera kommt besondere Bedeutung zu, weil die Strände der Insel in großem Umfang von Meeresschildkröten zum Laichen aufgesucht werden. Aus angespülten Paletten und anderem Holz werden Container gebaut, in denen der gesammelte Müll zwischengelagert wird. So werden unvermüllte Strandabschnitte geschaffen und frei gehalten.

Ein Vertreter von Biosfera erklärte, an Strandabschnitten, an denen seine Organisation noch nicht aktiv war, sei es praktisch unmöglich, am Strand zu gehen, ohne auf Müll zu treten. Dieser würde sich allmählich durch die Einwirkung von Sonne und Wind zu Mikroplastik zersetzen. Dadurch werde das Problem zunächst weniger sichtbar. Dieses Mikroplastik würde aber in die Nahrungskette der Tierwelt und letztlich des Menschen gelangen und dort zu noch weitgehend unerforschten Schäden führen.

Ein weiteres ungeklärtes Problem sei der Abtransport des gesammelten Mülls. Bislang sei es nur ein einziges Mal gelungen, etwa 300kg auf ein Schiff zu verladen. Angesichts der Gesamtmenge sei dies verschwindend gering.

Verschärfend käme hinzu, dass große Teile des Mülls bereits von Sand bedeckt seien und nicht mehr gefunden und entfernt werden könnten.

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Der Trend kippt

Viele Jahrzehnte lang gab es einen klaren Trend: der Geburtenüberschuss auf den Kapverden glich die Zahl der Emigranten mehr als aus und per Saldo stieg die Einwohnerzahl Jahr für Jahr. Weder die massive Auswanderung in die Vereinigten Staaten noch der Strom der überwiegend jungen Leute in das Mutterland Portugal konnten daran etwas ändern.

Diese Regel scheint nun zu kippen: der Internationale Währungsfonds weist darauf hin, dass die Geburtenrate auf den Kapverden seit einigen Jahren rückläufig ist und gleichzeitig die Auswanderung insbesondere nach Portugal deutlich zunimmt. Unter dem Strich geht die Einwohnerzahl der Kapverden seit einigen Jahren zurück.

Die portugiesische Regierung sieht sich – wie viele andere europäische Staaten auch – mit der Überalterung der eigenen Gesellschaft und dem immer ungünstigeren Verhältnis von Berufstätigen zu Rentnern konfrontiert. Immer weniger Erwerbstätige müssen die Altersbezüge von immer mehr Rentnern und Pensionären finanzieren. Eine Lösung dieses Problems besteht in der Einwanderung von möglichst jungen Arbeitskräften, die noch Jahrzehnte in das Sozialsystem einzahlen, bevor sie selber Renten beziehen.

Auf diesem Hintergrund wurden immer mehr Anreize für junge Leute von den Kapverden geschaffen, nach Portugal auszuwandern. Und die fielen (und fallen) auf fruchtbaren Boden, denn es besteht grundsätzlich eine große Bereitschaft, die ärmlichen Lebensverhältnisse auf den Kapverden gegen ein angeblich komfortables Leben in Europa einzutauschen. Portugal verlagert so dieses Problem des eigenen Sozialsystems auf die Kapverden, wo diese jungen Leute nun den Sozialkassen als Einzahler fehlen.

Als eine Möglichkeit, dieses Defizit in den Griff zu bekommen, wird aktuell auf den Kapverden eine Erhöhung des Renteneintrittsalters diskutiert. So könnte man die Verweildauer im Rentenbezug verringern und die öffentlichen Kassen entlasten.

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Der Untergang der Nhô Padre Benjamim

Am 14. April 2025 sank vor der Küste von São Nicolau das 1979 in Kiel gebaute RoRoKüstenschiff Nhô Padre Benjamim. Es war das einzige auf den Kapverden, das große Baumaschinen zwischen den Inseln transportieren konnte. Jetzt wurde der Abschlußbericht der Untersuchungskommission vorgelegt.

Das Schiff war nicht überladen. Es konnte eine Zuladung von 4000 Tonnen aufnehmen und war mit einer Ladung von weniger als 2000 Tonnen unterwegs, hauptsächlich Kies und schwere Baumaschinen. Allerdings war die Ladung nicht ausgewogen verteilt und das Heck lag schon beim Auslaufen 1,2 Meter tiefer als der Bug. Die Heckrampe befand sich bei Beginn der Fahrt praktisch auf Wasserhöhe. Der Kapitän schätzte die Situation aber als beherrschbar ein und entschied sich für ein Auslaufen. Während der Fahrt drang Wasser durch die nicht abgedichtete Heckklappe ein und verschärfte die Situation trotz laufender Pumpen. Das Wasser flutete den Laderaum und drang auch in den Maschinenraum ein. Ausserdem mussten die Pumpen nach einiger Zeit vorübergehend abgeschaltet werden, um die Abflüsse zu reinigen, was den Wassereinbruch weiter beschleunigte.

Der Kapitän versuchte noch, das Schiff an der Küste von São Nicolau kontrolliert auf Grund zu setzen, die Entfernung war jedoch zu groß. Um 15:00 Uhr wurde die Besatzung evakuiert und um 15:45 sank die Nhô Padre Benjamim.

Personen kamen nicht zu Schaden, aber einige große Bauprojekte verzögerten sich erheblich, da sie auf die Transportkapazität des Schiffes angewiesen waren.

Der Bericht sieht die Ursachen der Katastrophe in einem unzulänglichen Ladeplan, der mangelnden Dichtigkeit der Heckklappe, Fehleinschätzungen des Kapitäns und Kommunikationsproblemen beim Notfallmanagement. Außerdem wird die Rolle der Aufsichtsbehörden kritisiert. Diese haben die Fahrt bereits zwei Tage vor Abfahrt nach Aktenlage freigegeben und die tatsächliche Situation bei Abfahrt nicht begutachtet. Auch seien gesetzlich vorgeschriebene Zertifikate ohne erneute Inspektion vor Ort verlängert worden.

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