
Viele Jahrzehnte lang gab es einen klaren Trend: der Geburtenüberschuss auf den Kapverden glich die Zahl der Emigranten mehr als aus und per Saldo stieg die Einwohnerzahl Jahr für Jahr. Weder die massive Auswanderung in die Vereinigten Staaten noch der Strom der überwiegend jungen Leute in das Mutterland Portugal konnten daran etwas ändern.
Diese Regel scheint nun zu kippen: der Internationale Währungsfonds weist darauf hin, dass die Geburtenrate auf den Kapverden seit einigen Jahren rückläufig ist und gleichzeitig die Auswanderung insbesondere nach Portugal deutlich zunimmt. Unter dem Strich geht die Einwohnerzahl der Kapverden seit einigen Jahren zurück.
Die portugiesische Regierung sieht sich – wie viele andere europäische Staaten auch – mit der Überalterung der eigenen Gesellschaft und dem immer ungünstigeren Verhältnis von Berufstätigen zu Rentnern konfrontiert. Immer weniger Erwerbstätige müssen die Altersbezüge von immer mehr Rentnern und Pensionären finanzieren. Eine Lösung dieses Problems besteht in der Einwanderung von möglichst jungen Arbeitskräften, die noch Jahrzehnte in das Sozialsystem einzahlen, bevor sie selber Renten beziehen.
Auf diesem Hintergrund wurden immer mehr Anreize für junge Leute von den Kapverden geschaffen, nach Portugal auszuwandern. Und die fielen (und fallen) auf fruchtbaren Boden, denn es besteht grundsätzlich eine große Bereitschaft, die ärmlichen Lebensverhältnisse auf den Kapverden gegen ein angeblich komfortables Leben in Europa einzutauschen. Portugal verlagert so dieses Problem des eigenen Sozialsystems auf die Kapverden, wo diese jungen Leute nun den Sozialkassen als Einzahler fehlen.
Als eine Möglichkeit, dieses Defizit in den Griff zu bekommen, wird aktuell auf den Kapverden eine Erhöhung des Renteneintrittsalters diskutiert. So könnte man die Verweildauer im Rentenbezug verringern und die öffentlichen Kassen entlasten.





















