Familiennaher Tourismus

In der Gemeinde Santa Catarina werden im Moment 14 familiennahe Unterkünfte errichtet. Finanziert durch den Fundo do Turismo werden in den Orten  Cova Figueira, Tinteira, Estância Roque und  Achada Furna 14 Privathäuser so umgestaltet, dass sie Reisegäste aufnehmen können. Die Zimmer werden über ein eigenes Bad verfügen und die Familien werden mit einer Fortbildung auf ihre Rolle als Gastgeber vorbereitet.

Alle Orte befinden sich in der Nähe aber noch außerhalb des Kraters Chã das Caldeiras und können als Zwischenstation auf dem Weg von und nach São Filipe dienen. Für die gastgebenden Familien soll so eine Erwerbsquelle geschaffen werden und die Gäste haben die Möglichkeit, kapverdisches Landleben aus erster Hand kennen zu lernen. Mit der Fertigstellung wird zum Jahresende gerechnet.

Ebenfalls noch in diesem Jahr soll eine Polizeistation in der Chã das Caldeiras geschaffen werden, die rund um die Uhr besetzt sein wird. Damit soll die Sicherheit sowohl der Bewohner wie der Touristen erhöht und die soziale Struktur ausgebaut werden.

Ein weiterer Schritt hin zu einem funktionierenden Gemeinwesen ist der Umzug des Kindergartens aus den improvisierten Räumlichkeiten in ein eigenes Gebäude. Dieser ist für den Januar geplant.

Der zuständige Bürgermeister Alberto Nunes teilte darüberhinaus mit, dass es auch eine konkrete Planung für die erneute Errichtung einer Gesundheitsstation unter Beteiligung der Regierung und des österreichischen Vereins “Nos ku Nhos” gibt. Dieser Verein hatte in den Jahren 2013 und 2014 die Errichtung einer Gesundheitsstation maßgeblich vorangetrieben, die dann kurz nach ihrer Inbetriebnahme dem Vulkanausbruch im November 2014 zum Opfer fiel.

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Alle lieben Helene

Es hat geregnet! Zu verdanken ist das dem Tropensturm Helene, der die Kapverden vor einigen Tagen gestreift hat und nennenswerten Niederschlag im Gepäck hatte.

Den meisten Niederschlag gab es wie immer in den hochgelegenen Bereichen von Mosteiros, wo in den ersten 10 Tagen des Septembers mehr als 300 mm gefallen sind. Aber auch in den südlichen Inselbereichen von Ponta Verde bis Santa Catarina waren es noch ca. 140 mm.

Helene brachte allerdings nicht nur Regen, sondern auch Sturm. In São Filipe wurde eine Antenne der Telecom umgeworfen, an verschiedenen Stellen wurden Bäume entwurzelt und es gab Sachschäden. Verletzt wurde niemand.

Allenthalben wurde in den letzten Tagen in die vorbereiteten Böden ausgesäht. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass es in einigen Wochen noch einen Nachschlag gibt, damit die Kulturen auch zur Reife kommen.

Und noch eine gute Nachricht: die durch einen Steinschlag bei Sumbango verschüttete Straße von Ponta Verde nach Mosteiros ist wieder befahrbar. Das Geröll ist weggeräumt und die Felswand ist soweit stabilisiert, dass eine Wiedereröffnung vertretbar erschien. Noch sind allerdings nicht alle Arbeiten abgeschlossen und die Wiederherstellung der zerstörten landwirtschaftlichen Bewässerungsanlagen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Am nächsten Montag beginnt das neue Schuljahr und große Erleichterung herrscht bei den Familien von São Jorge bis Atalaia, deren Kinder auf eine Schule in Mosteiros gehen und nun auch tatsächlich dorthin gelangen können. Und auch der Warenaustausch zwischen der Nord- und der Westseite der Insel kommt wieder in Schwung. Die dreimonatige Sperrung der Straße hatte für viele Händler große Einbußen zur Folge.

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Es hakt…

… an mehreren Stellen:

Wie hier vor einiger Zeit berichtet, sollte die Wasserversorgung der Chã das Caldeiras bis Ende März 2018 durch einen neuen Brunnen und eine solarbetriebene Pumpenanlage sichergestellt sein. Die dafür notwendigen technischen Einrichtungen wurden in der Zwischenzeit geschaffen und beim Besuch des Premierministers am 23. Juni sprudelte das Wasser auch.

Danach versiegte der Brunnen allerdings wieder und die Bewohner sind weiterhin gezwungen, das Wasser mit Tankfahrzeugen von Achada Furna in die Chã  transportieren zu lassen. Eine offizielle Erklärung zu den Gründen gibt es nicht. Manche meinen, es handele sich um technische Probleme. Dem widerspricht allerdings der Präsident der Kommission für Wirtschaft, Umwelt und Gebietsplanung. Ihm zufolge sind es wohl verwaltungstechnische Probleme zwischen den beteiligten Institutionen.

Administrative Probleme gibt es ebenfalls beim Ausbau der natürlichen Seewasserbecken „Salinas“, nördlich von Ponta Verde zu einem multifunktionalen Freizeit- und Tourismuszentrum. Dies Projekt wurde schon vor einigen Jahren von dem ehemaligen Bürgermeister Luis Pires mit der EU ausgehandelt und auf den Weg gebracht. Die EU hat die Übernahme von 75% der Kosten zugesichert. Der neue Bürgermeister Jorge Nogueira hat die Arbeiten eingeleitet und ohne Absprachen alte und in Privatbesitz befindliche Gebäude einreißen lassen.

Im Mai 2017 wurde die Gemeindeverwaltung von São Filipe dazu verurteilt, die Arbeiten einzustellen, die fraglichen Gebäude an die Eigentümer zurückzugeben und mit ihnen eine Einigung herbeizuführen. Diese fordern eine Entschädigungszahlung von ca. 160.000 Euro.

Die Gemeindeverwaltung hat nun auf Aufhebung dieses Urteils geklagt, da es sich bei dem Ausbau der „Salinas“ um öffentliches Interesse handelt und der Beitrag der EU wegen Zeitverzögerung verloren zu gehen droht. Dieses Ansinnen der Gemeindeverwaltung hat das Gericht als nicht rechtskonform abgelehnt. Damit geht die Hängepartie in die nächste Runde.

Im Juni gab es im Ortsteil Sumbango der Gemeinde Mosteiros einen heftigen Steinschlag, der die westliche Verbindungsstraße von Mosteiros nach São Filipe unpassierbar machte. Die Felsüberhänge sind so instabil, dass es auch in den Folgetagen immer wieder zu Steinabgängen kam. Die lokale Elektrizitäts- und Wasserversorgung wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, Verletzte gab es aber nicht.

Die Verbindung von São Filipe nach Mosteiros ist zur Zeit nur über die wesentlich längere östliche Route möglich und die Bewohner von São Jorge müssen für eine Fahrt nach Mosteiros statt 30 Minuten jetzt 4 Stunden einplanen.

Auch die Aufräumarbeiten wurden wegen zu großer Steinschlaggefahr eingestellt. In der nächsten Woche soll Spezialgerät auf Fogo eintreffen, mit dem die gefährlichen Felsüberhänge aus sicherer Entfernung beseitigt werden können. Der Bürgermeister der Gemeinde Mosteiros wies noch einmal darauf hin, dass das Konzept der Inselumgehungsstraße an dieser Stelle einen Tunnel durch das Felsmassiv vorsieht.

 

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Wasser und Wege in der Chã das Caldeiras

Nach dem Vulkanausbruch im November 2014 haben die Bewohner der Chã das Caldeiras die weitgehend zerstörte Infrastruktur teilweise wiederhergestellt. Dies geschah ohne behördliche Genehmigungen und gegen den erklärten Willen der Politik. Aber die diskutierten Alternativen außerhalb der Chã wurden von der betroffenen Bevölkerung weitgehend abgelehnt und so entstand eine neue Besiedlung sozusagen im „rechtsfreien“ Raum.

Mittlerweile scheint die Politik die geschaffenen Fakten anzuerkennen und beteiligt sich am Wiederaufbau der Infrastruktur auch innerhalb des Kraters. Nach Aussage des Bürgermeisters von Santa Catarina soll ein grundlegendes Problem bis Ende März gelöst sein: die Wasserversorgung. In den nächsten Tagen soll eine Bohrung begonnen werden, und es wird erwartet, auf ausreichend Wasser zu treffen, um die Bevölkerung der Chã versorgen zu können. Das dazu benötigte technische Gerät befindet sich bereits auf Fogo  und das Wasser soll dann in eine weniger als 500 Meter entfernte Zisterne gepumpt werden.

Diese Bohrung ist eine von sechs, die auf der Insel Fogo durchgeführt werden, um die Trinkwasserversorgung und die Wasserversorgung der Landwirtschaft zu verbessern und die von der Afrikanischen Entwicklungsbank (BAD) mit insgesamt ca. 900.000 Euro finanziert werden.

Im Unterschied zu den übrigen fünf neuen Wasserstationen, deren Pumpen mit konventioneller Energie betrieben werden, soll die Energie für die Pumpstation der Chã mittels Fotovoltaik in einem kleinen Solarpark gewonnen werden.

Vor einer Woche wurde bereits mitgeteilt, dass von staatlicher Seite ein Wegebauprojekt ausgeschrieben wurde mit dem Ziel, die desolate Piste vom Eingang der Chã bis nach Portela und Bangaeira durch eine reguläre Strasse zu ersetzen.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

fogo-animaisDer südliche Teil von Fogo von Santo António bis Cova Figueira ist der trockenste der Insel und nicht immer reicht der Niederschlag für eine Ernte. Den letzten Ernteausfall gab es im Jahr 2014. Im August diesen Jahres hat es aber geregnet und das hatte die Hoffnung der Landbevölkerung auf eine gute Saison geschürt. Seitdem ist allerdings keine Regenwolke mehr am Himmel aufgetaucht.

Das gespannte Warten auf die nächsten Niederschläge beginnt nun allmählich in Enttäuschung und große Besorgnis umzuschlagen. Die Wahrscheinlichkeit ergiebiger Regenfälle sinkt von Tag zu Tag und niemand mag mehr so recht daran glauben, dass der Mais in diesem Jahr noch zur Reife kommt. Auch die Zisternen sind weitgehend leer, Wasser muss gekauft werden und wer keine Rücklagen hat, steht vor existenziellen Problemen.

Solche Probleme sind bei den Viehzüchtern schon angekommen: sie finden keine Weideflächen mehr. Und die Zone der verdörrten Flächen ist noch deutlich größer als in 2014. Keiner hat genügend Rücklagen, um in großem Umfang Viehfutter zu kaufen und noch dazu ist die Milchproduktion der Ziegen wegen der schlechten Ernährung eingebrochen. Wo ein Züchter vor einigen Monaten noch 60 Stück Ziegenkäse am Tag produziert hat, sind es jetzt gerade noch 10.

So wird der Ruf nach staatlichen Zuschüssen oder zumindest Überbrückungskrediten immer lauter. Aber bis auf mitfühlende Worte gibt es da bislang wenig konkretes. Viele Züchter denken bereits an Notschlachtungen oder einen Teilverkauf der Herde, um mit dem Erlös die restlichen Tiere zu retten.

… aber vielleicht geschieht ja noch ein kleines Wunder.

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