Der Trend kippt

Viele Jahrzehnte lang gab es einen klaren Trend: der Geburtenüberschuss auf den Kapverden glich die Zahl der Emigranten mehr als aus und per Saldo stieg die Einwohnerzahl Jahr für Jahr. Weder die massive Auswanderung in die Vereinigten Staaten noch der Strom der überwiegend jungen Leute in das Mutterland Portugal konnten daran etwas ändern.

Diese Regel scheint nun zu kippen: der Internationale Währungsfonds weist darauf hin, dass die Geburtenrate auf den Kapverden seit einigen Jahren rückläufig ist und gleichzeitig die Auswanderung insbesondere nach Portugal deutlich zunimmt. Unter dem Strich geht die Einwohnerzahl der Kapverden seit einigen Jahren zurück.

Die portugiesische Regierung sieht sich – wie viele andere europäische Staaten auch – mit der Überalterung der eigenen Gesellschaft und dem immer ungünstigeren Verhältnis von Berufstätigen zu Rentnern konfrontiert. Immer weniger Erwerbstätige müssen die Altersbezüge von immer mehr Rentnern und Pensionären finanzieren. Eine Lösung dieses Problems besteht in der Einwanderung von möglichst jungen Arbeitskräften, die noch Jahrzehnte in das Sozialsystem einzahlen, bevor sie selber Renten beziehen.

Auf diesem Hintergrund wurden immer mehr Anreize für junge Leute von den Kapverden geschaffen, nach Portugal auszuwandern. Und die fielen (und fallen) auf fruchtbaren Boden, denn es besteht grundsätzlich eine große Bereitschaft, die ärmlichen Lebensverhältnisse auf den Kapverden gegen ein angeblich komfortables Leben in Europa einzutauschen. Portugal verlagert so dieses Problem des eigenen Sozialsystems auf die Kapverden, wo diese jungen Leute nun den Sozialkassen als Einzahler fehlen.

Als eine Möglichkeit, dieses Defizit in den Griff zu bekommen, wird aktuell auf den Kapverden eine Erhöhung des Renteneintrittsalters diskutiert. So könnte man die Verweildauer im Rentenbezug verringern und die öffentlichen Kassen entlasten.

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Der Untergang der Nhô Padre Benjamim

Am 14. April 2025 sank vor der Küste von São Nicolau das 1979 in Kiel gebaute RoRoKüstenschiff Nhô Padre Benjamim. Es war das einzige auf den Kapverden, das große Baumaschinen zwischen den Inseln transportieren konnte. Jetzt wurde der Abschlußbericht der Untersuchungskommission vorgelegt.

Das Schiff war nicht überladen. Es konnte eine Zuladung von 4000 Tonnen aufnehmen und war mit einer Ladung von weniger als 2000 Tonnen unterwegs, hauptsächlich Kies und schwere Baumaschinen. Allerdings war die Ladung nicht ausgewogen verteilt und das Heck lag schon beim Auslaufen 1,2 Meter tiefer als der Bug. Die Heckrampe befand sich bei Beginn der Fahrt praktisch auf Wasserhöhe. Der Kapitän schätzte die Situation aber als beherrschbar ein und entschied sich für ein Auslaufen. Während der Fahrt drang Wasser durch die nicht abgedichtete Heckklappe ein und verschärfte die Situation trotz laufender Pumpen. Das Wasser flutete den Laderaum und drang auch in den Maschinenraum ein. Ausserdem mussten die Pumpen nach einiger Zeit vorübergehend abgeschaltet werden, um die Abflüsse zu reinigen, was den Wassereinbruch weiter beschleunigte.

Der Kapitän versuchte noch, das Schiff an der Küste von São Nicolau kontrolliert auf Grund zu setzen, die Entfernung war jedoch zu groß. Um 15:00 Uhr wurde die Besatzung evakuiert und um 15:45 sank die Nhô Padre Benjamim.

Personen kamen nicht zu Schaden, aber einige große Bauprojekte verzögerten sich erheblich, da sie auf die Transportkapazität des Schiffes angewiesen waren.

Der Bericht sieht die Ursachen der Katastrophe in einem unzulänglichen Ladeplan, der mangelnden Dichtigkeit der Heckklappe, Fehleinschätzungen des Kapitäns und Kommunikationsproblemen beim Notfallmanagement. Außerdem wird die Rolle der Aufsichtsbehörden kritisiert. Diese haben die Fahrt bereits zwei Tage vor Abfahrt nach Aktenlage freigegeben und die tatsächliche Situation bei Abfahrt nicht begutachtet. Auch seien gesetzlich vorgeschriebene Zertifikate ohne erneute Inspektion vor Ort verlängert worden.

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Gar nicht so schlecht …

Die Kapverden belegen im globalen Governance-Ranking 2026 von World Economics den 29. Platz und sind damit das bestplatzierte Land Afrikas. Als einziges Land des Kontinents erreichen sie bei der Bewertung der Regierungsführung die Bestnote A.

Mit 74 von 100 Punkten liegen sie fast gleichauf mit den USA, die 74,2 Punkte erreichen. Das Mutterland Portugal erreicht 80 Punkte, Deutschland 90 Punkte.

Beim Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner sieht es nicht so rosig aus. Es beträgt 13.743 US-Dollar. Im Vergleich: Portugal 51.833 US-Dollar und Deutschland 69.281 US-Dollar. Beim durchschnittlichen Jahreseinkommen liegen die Kapverden etwa gleichauf mit Jamaica, Angola und Bangladesh.

Transperancy international hat im Februar den Weltkorruptionsindex 2025 veröffentlicht. Von 182 Ländern belegen die Kapverden mit 63 von 100 Punkten den 35sten Rang. Sie liegen damit im oberen Fünftel und deutlich vor Portugal, Spanien und Italien, die die Ränge 46, 49 und 52 belegen. Spitzenreiter sind wie immer die Skandinavischen Länder Finnland, Norwegen und Dänemark, Schlußlichter sind Venezuela, Somalia und Südsudan.

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Das Leid der Ziegen

Viehzüchter in den südlichen und zentralen Regionen der Insel Fogo, von Brandão bis Fonte Aleixo Sul in der Gemeinde Santa Catarina, wo die meisten Ziegenherden konzentriert sind, beklagen, was sie als „das schlimmste Jahr aller Zeiten“ betrachten, nämlich das nahezu vollständige Fehlen von Weideland.

„Die Tiere sind abgemagert und geben keinen Tropfen Milch“, beklagte der Bauer José Andrade und erklärte, er habe noch nie ein so dramatisches Szenario wie in diesem Jahr erlebt.

„Viele Züchter wollen ihre Tiere loswerden, aber es gibt keine Käufer.“

„Und wenn es hier eine Krise gibt, versuchen die Leute in anderen, fruchtbareren Gegenden, von ihren Weideflächen zu profitieren, und die Preise steigen“, klagte der Bauer und erklärte, dass ein Sack Mais oder Tierfutter über 2.700 Escudos koste, ein Betrag, den niemand durch den Verkauf von Käse oder Milch erwirtschaften könne.

Auch Oteldina Andrade, die seit fast zwei Jahrzehnten Züchterin ist, verwendet ihre persönlichen Ersparnisse für die Fütterung ihrer Tiere und machte auf den Anstieg von Fehlgeburten bei Zuchtziegen aufgrund von Unterernährung aufmerksam.

„Wenn die Behörden keine Futtermittel zu subventionierten Preisen bereitstellen, wird es nach der nächsten Regenzeit zwar wieder Weideflächen, aber keine Tiere mehr geben“.

Im Gegensatz zu den Schwierigkeiten, mit denen die Kleinbauern konfrontiert sind, konnte das Landwirtschaftsprojekt „Batente“ die Auswirkungen der Krise abmildern, indem es rund 400 Ziegen auf die Insel Brava brachte, wo günstigere Bedingungen herrschen. Laut einem der Projektmanager soll so der Viehbestand von Fogo angesichts der Weideknappheit geschützt werden.

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Karneval 2026

Es war mal wieder prächtig – beste Stimmung und gute Laune bei der diesjährigen Ausgabe des Karnevals von São Filipe. Nicht nur die vier großen Karnevalsgruppen Faixa da Terra, Fogo em Chama, Mar Azul und Fantasia de Cobom wußten zu begeistern, sondern auch die vielen kleinen Gruppen,

die mit zum Teil ausgefeilten Choreographien zwischen den allegorischen Wagen und Musikgruppen der großen Namen auftraten. Schade nur, dass die Abstände zwischen den Gruppen so groß waren, dass das Warten ziemlich beschwerlich wurde.

Die Karnevalsgruppe Faixa da Terra wurde zum großen Gewinner des Karnevalsumzugs 2026 in São Filipe gekürt. Mit dem Thema „Cabo Verde, nos terra, nos cultura“ („Kap Verde, unser Land, unsere Kultur“) überzeugte sie die Jury. Danach folgten auf den Plätzen zwei bis vier Fogo em Chama, Mar Azul und Fantasia de Cobom.

Die Auszeichnung für beste Musik ging an die Gruppe Mar Azul.

Einige auswärtige Besucher werden das defilé aber leider verpasst haben, denn die Staubbelastung der Luft war so stark, dass CV Airlines weder am 17.2. noch heute am 18.2. Inlandsflüge durchführte. Das meteorologische Institut teilt mit, dass diese Wetterlage noch bis zum 20.2. anhalten wird. Mit Flugverschiebungen oder -ausfällen ist zu rechnen.

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