Schlaflos in São Filipe

São Filipe ist ein beschauliches kleines Städtchen – fast immer, aber nicht in der Woche vor dem 1. Mai. In dieser Zeit finden die traditionellen „Festas da Bandeira“ und das jährliche Stadtfest gleichzeitig statt.

Besucher aus aller Welt finden sich ein und die meisten sind Emigranten mit persönlichen Wurzeln auf der Insel Fogo. Geschlafen wird tagsüber, wenn man dazu kommt, denn das Musikprogramm auf dem schönsten Platz in der historischen Altstadt, dem Presidio, geht bis 5:00 Uhr morgens (mindestens!) und die kostenlose Beschallung der angrenzenden Stadtviertel ist garantiert.

Die Siegerin des Schönheitswettbewerbs, Miss Jéssica Lopes aus Beltchés, und die des Pferderennens, die siebenjährige Stute Airley, stehen bereits fest. Am Start des Finales des Pferderennens standen 6 Pferde: 5 von Fogo und eines von São Vicente und ausgerechnet dieses hat den Endlauf gewonnen – ärgerlich. Aber von körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Zuschauern nach dem Zieleinlauf, wie es sie schon mehrfach gegeben hat, wurde in diesem Jahr nicht berichtet.

Ebenfalls abgeschlossen ist der Wettbewerb im Radfahren mit dem Sieger António Gonçalves (Fogo) und das Wettrennen der Fischerboote, dass das Boot „Djenifa“ für sich entscheiden konnte. Der Sieger des Fußballturniers steht zu Stunde noch nicht fest. Aktuell sind noch im Rennen: Vulcanicos, Botafogo, die Auswahl von Mosteiros und die von Santa Catarina.

Was gibt es sonst noch? Z.B. das große Fressen am 1. Mai für Hunderte von Gästen, das mit dem traditionellen „Pilão“ eingeleitet wird. Unter massenhafter Beteiligung der Bevölkerung wird Mais in riesigen Mörsern mit hölzernen Stößeln zerkleinert. Das Ganze begleitet von inseltypischen Gesängen und frenetischem Trommeln. Außerdem werden ein Ochse und diverse Ziegen, Schweine und Hühner geschlachtet und in gewaltigen Kesseln zu traditionellen Gerichten weiterverarbeitet.

Sowohl die Stadtverwaltung wie auch viele ansässige Firmen nutzen die Gunst der Stunde, um Geschäftskontakte mit den angereisten Besuchern anzubahnen oder zu pflegen und ab 23:00 Uhr werden die Regler aufgeschoben, dass es nur so kracht. Drei Tage nationale und internationale Musik u.a. mit einer lokalen Gruppe, die sich den schönen Namen „Maybach Gang“ gegeben hat.

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Der Chã geht ein Licht auf

Beispiel einer kleinen Solarstation

Vier kapverdische Emigranten, die in den USA leben, haben ein ehrgeiziges Projekt auf den Weg gebracht: in Kooperation mit der Gemeindeverwaltung von Santa Catarina sollen bis zum Sommer 2019 200 Haushalte und öffentliche Einrichtungen in der Chã das Caldeiras mit Elektrizität versorgt werden.

Produziert wird die Elektrizität in einem lokalen Kleinkraftwerk (mini grid), das Solarstrom, Speichermedien und einen Generator kombiniert. Das Projekt
wurde im Rahmen einer Plattform zur dezentralen und nachhaltigen Versorgung kleiner Gemeinden mit Elektrizität (GMG – Green mini-grids) entwickelt , die von dem „Sustainable Energy Fund for Africa“ der Afrikanischen Entwicklungsbank betrieben wird.

Finanziert wird das Projekt u.a. vom Britischen Ministerium für internationale Entwicklung, die technischen Komponenten werden von der US-amerikanischen SunPower Corporation bereitgestellt und die technische Umsetzung wird von der deutschen Inensus GmbH betreut. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf ca. 220.000 Euro beziffert.

Jorge Andrade Nogueira, einer der Initiatoren, erklärte, dass etwa 80% der erzeugten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen wird, und dass 80 Haushalte, die in prekären finanziellen Verhältnissen leben, zu einem Sozialtarif von monatlich 1000 CVE mit Elektrizität versorgt werden sollen.

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Familiennaher Tourismus

In der Gemeinde Santa Catarina werden im Moment 14 familiennahe Unterkünfte errichtet. Finanziert durch den Fundo do Turismo werden in den Orten  Cova Figueira, Tinteira, Estância Roque und  Achada Furna 14 Privathäuser so umgestaltet, dass sie Reisegäste aufnehmen können. Die Zimmer werden über ein eigenes Bad verfügen und die Familien werden mit einer Fortbildung auf ihre Rolle als Gastgeber vorbereitet.

Alle Orte befinden sich in der Nähe aber noch außerhalb des Kraters Chã das Caldeiras und können als Zwischenstation auf dem Weg von und nach São Filipe dienen. Für die gastgebenden Familien soll so eine Erwerbsquelle geschaffen werden und die Gäste haben die Möglichkeit, kapverdisches Landleben aus erster Hand kennen zu lernen. Mit der Fertigstellung wird zum Jahresende gerechnet.

Ebenfalls noch in diesem Jahr soll eine Polizeistation in der Chã das Caldeiras geschaffen werden, die rund um die Uhr besetzt sein wird. Damit soll die Sicherheit sowohl der Bewohner wie der Touristen erhöht und die soziale Struktur ausgebaut werden.

Ein weiterer Schritt hin zu einem funktionierenden Gemeinwesen ist der Umzug des Kindergartens aus den improvisierten Räumlichkeiten in ein eigenes Gebäude. Dieser ist für den Januar geplant.

Der zuständige Bürgermeister Alberto Nunes teilte darüberhinaus mit, dass es auch eine konkrete Planung für die erneute Errichtung einer Gesundheitsstation unter Beteiligung der Regierung und des österreichischen Vereins “Nos ku Nhos” gibt. Dieser Verein hatte in den Jahren 2013 und 2014 die Errichtung einer Gesundheitsstation maßgeblich vorangetrieben, die dann kurz nach ihrer Inbetriebnahme dem Vulkanausbruch im November 2014 zum Opfer fiel.

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Alle lieben Helene

Es hat geregnet! Zu verdanken ist das dem Tropensturm Helene, der die Kapverden vor einigen Tagen gestreift hat und nennenswerten Niederschlag im Gepäck hatte.

Den meisten Niederschlag gab es wie immer in den hochgelegenen Bereichen von Mosteiros, wo in den ersten 10 Tagen des Septembers mehr als 300 mm gefallen sind. Aber auch in den südlichen Inselbereichen von Ponta Verde bis Santa Catarina waren es noch ca. 140 mm.

Helene brachte allerdings nicht nur Regen, sondern auch Sturm. In São Filipe wurde eine Antenne der Telecom umgeworfen, an verschiedenen Stellen wurden Bäume entwurzelt und es gab Sachschäden. Verletzt wurde niemand.

Allenthalben wurde in den letzten Tagen in die vorbereiteten Böden ausgesäht. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass es in einigen Wochen noch einen Nachschlag gibt, damit die Kulturen auch zur Reife kommen.

Und noch eine gute Nachricht: die durch einen Steinschlag bei Sumbango verschüttete Straße von Ponta Verde nach Mosteiros ist wieder befahrbar. Das Geröll ist weggeräumt und die Felswand ist soweit stabilisiert, dass eine Wiedereröffnung vertretbar erschien. Noch sind allerdings nicht alle Arbeiten abgeschlossen und die Wiederherstellung der zerstörten landwirtschaftlichen Bewässerungsanlagen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Am nächsten Montag beginnt das neue Schuljahr und große Erleichterung herrscht bei den Familien von São Jorge bis Atalaia, deren Kinder auf eine Schule in Mosteiros gehen und nun auch tatsächlich dorthin gelangen können. Und auch der Warenaustausch zwischen der Nord- und der Westseite der Insel kommt wieder in Schwung. Die dreimonatige Sperrung der Straße hatte für viele Händler große Einbußen zur Folge.

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Es hakt…

… an mehreren Stellen:

Wie hier vor einiger Zeit berichtet, sollte die Wasserversorgung der Chã das Caldeiras bis Ende März 2018 durch einen neuen Brunnen und eine solarbetriebene Pumpenanlage sichergestellt sein. Die dafür notwendigen technischen Einrichtungen wurden in der Zwischenzeit geschaffen und beim Besuch des Premierministers am 23. Juni sprudelte das Wasser auch.

Danach versiegte der Brunnen allerdings wieder und die Bewohner sind weiterhin gezwungen, das Wasser mit Tankfahrzeugen von Achada Furna in die Chã  transportieren zu lassen. Eine offizielle Erklärung zu den Gründen gibt es nicht. Manche meinen, es handele sich um technische Probleme. Dem widerspricht allerdings der Präsident der Kommission für Wirtschaft, Umwelt und Gebietsplanung. Ihm zufolge sind es wohl verwaltungstechnische Probleme zwischen den beteiligten Institutionen.

Administrative Probleme gibt es ebenfalls beim Ausbau der natürlichen Seewasserbecken „Salinas“, nördlich von Ponta Verde zu einem multifunktionalen Freizeit- und Tourismuszentrum. Dies Projekt wurde schon vor einigen Jahren von dem ehemaligen Bürgermeister Luis Pires mit der EU ausgehandelt und auf den Weg gebracht. Die EU hat die Übernahme von 75% der Kosten zugesichert. Der neue Bürgermeister Jorge Nogueira hat die Arbeiten eingeleitet und ohne Absprachen alte und in Privatbesitz befindliche Gebäude einreißen lassen.

Im Mai 2017 wurde die Gemeindeverwaltung von São Filipe dazu verurteilt, die Arbeiten einzustellen, die fraglichen Gebäude an die Eigentümer zurückzugeben und mit ihnen eine Einigung herbeizuführen. Diese fordern eine Entschädigungszahlung von ca. 160.000 Euro.

Die Gemeindeverwaltung hat nun auf Aufhebung dieses Urteils geklagt, da es sich bei dem Ausbau der „Salinas“ um öffentliches Interesse handelt und der Beitrag der EU wegen Zeitverzögerung verloren zu gehen droht. Dieses Ansinnen der Gemeindeverwaltung hat das Gericht als nicht rechtskonform abgelehnt. Damit geht die Hängepartie in die nächste Runde.

Im Juni gab es im Ortsteil Sumbango der Gemeinde Mosteiros einen heftigen Steinschlag, der die westliche Verbindungsstraße von Mosteiros nach São Filipe unpassierbar machte. Die Felsüberhänge sind so instabil, dass es auch in den Folgetagen immer wieder zu Steinabgängen kam. Die lokale Elektrizitäts- und Wasserversorgung wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, Verletzte gab es aber nicht.

Die Verbindung von São Filipe nach Mosteiros ist zur Zeit nur über die wesentlich längere östliche Route möglich und die Bewohner von São Jorge müssen für eine Fahrt nach Mosteiros statt 30 Minuten jetzt 4 Stunden einplanen.

Auch die Aufräumarbeiten wurden wegen zu großer Steinschlaggefahr eingestellt. In der nächsten Woche soll Spezialgerät auf Fogo eintreffen, mit dem die gefährlichen Felsüberhänge aus sicherer Entfernung beseitigt werden können. Der Bürgermeister der Gemeinde Mosteiros wies noch einmal darauf hin, dass das Konzept der Inselumgehungsstraße an dieser Stelle einen Tunnel durch das Felsmassiv vorsieht.

 

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