{"id":741,"date":"2015-04-09T11:29:55","date_gmt":"2015-04-09T10:29:55","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/?p=741"},"modified":"2015-04-09T16:20:32","modified_gmt":"2015-04-09T15:20:32","slug":"die-schleichende-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/?p=741","title":{"rendered":"Die schleichende Katastrophe"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/duerre-usa-540x304.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-745\" title=\"duerre-usa-540x304\" src=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/duerre-usa-540x304.jpg\" alt=\"\" width=\"432\" height=\"243\" srcset=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/duerre-usa-540x304.jpg 540w, https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/duerre-usa-540x304-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 432px) 100vw, 432px\" \/><\/a>An jedem Freitag bildet sich vor dem Rathaus von S\u00e3o Filipe eine lange Schlange von Menschen, die auf einen Bezugsschein f\u00fcr Grundnahrungsmittel hoffen. Dieser wird von der Stadtverwaltung an bed\u00fcrftige Familien ausgegeben, um die unmittelbare Not insbesondere der Landbev\u00f6lkerung zu lindern. Diese Not ist durch den kompletten Ernteausfall wegen der D\u00fcrre in den mittleren und s\u00fcdlichen Kreisgebieten im Jahr 2014 entstanden.<\/p>\n<p>62% der Bev\u00f6lkerung des Kreises S\u00e3o Filipe (ca.14000 Menschen) leben von Landwirtschaft und Viehzucht und viele Familien stehen vor existentiellen Problemen. Die Weidefl\u00e4chen s\u00fcdlich von Santo Antonio bis hin nach Cova Figueira sind verdorrt und Viehfutter muss von weit her transportiert werden. Diejenigen, die keine finanziellen R\u00fccklagen besitzen und keine Zuwendungen von Verwandten in \u00dcbersee bekommen, k\u00f6nnen die Transportkosten jedoch nicht bezahlen. Viele Ziegen werden billig verkauft oder notgeschlachtet.<\/p>\n<p>Die Menschen in der Schlange vor dem Rathaus haben es immerhin mit dem aluguer bis nach S\u00e3o Filipe geschafft. Aber auch das kostet Geld. Unter den vielen Menschen, die ihre Lage als aussichtslos ansehen, macht sich oft Apathie breit, es kommt zu Mangelern\u00e4hrung bis hin zu Hunger und es fehlt der Antrieb, sich f\u00fcr eine Verbesserung der Situation einzusetzen.<\/p>\n<p>Und das zieht Kreise: wo das Geld fehlt, machen auch die Einzelh\u00e4ndler keinen Umsatz mehr, die Handwerker erhalten keine Auftr\u00e4ge, das Schul- oder Kindergartengeld ist nicht mehr bezahlbar usw.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sind gro\u00dfe Mengen an Hilfsg\u00fctern und Spendengeldern vorhanden. Allein die angolanische Regierung hat 1200 Tonnen Materialspenden im Wert von ca. 7 Mio. Dollar nach Fogo verschifft. Und das ist nur ein Bruchteil der Hilfen f\u00fcr Fogo. Auch aus den USA, Portugal, Deutschland und vielen anderen L\u00e4ndern kommen G\u00fcter und Gelder in gro\u00dfem Umfang nach Fogo. Aber auf allem klebt das Schild &#8222;Nur f\u00fcr Opfer der Vulkankatastrophe&#8220;. Das Schicksal der ca. 800 Menschen, die durch den Vulkanausbruch ihre Heimat verloren haben, hat international gro\u00dfe Beachtung gefunden und eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Die Verwendung dieser Mittel wird von vielen Seiten argw\u00f6hnisch beobachtet. Und sollten diese Hilfen nicht bestimmungsgem\u00e4\u00df verwendet werden, ist eines gewiss: der Aufschrei der Opposition &#8222;Veruntreuung von Spendengeldern&#8220;.<\/p>\n<p>Gleichzeitig nehmen die Spannungen zwischen den Opfern der Vulkankatastrophe und der notleidenden restlichen Bev\u00f6lkerung zu und die Integration der durch den Vulkanausbruch Vertriebenen in die bestehenden Gemeinden wird schwieriger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An jedem Freitag bildet sich vor dem Rathaus von S\u00e3o Filipe eine lange Schlange von Menschen, die auf einen Bezugsschein f\u00fcr Grundnahrungsmittel hoffen. 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