{"id":2450,"date":"2026-03-08T15:53:18","date_gmt":"2026-03-08T14:53:18","guid":{"rendered":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/?page_id=2450"},"modified":"2026-03-18T14:16:14","modified_gmt":"2026-03-18T13:16:14","slug":"mar-azul","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/?page_id=2450","title":{"rendered":"Mar Azul"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:58% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"462\" src=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Mar-Azul.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2452 size-full\" srcset=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Mar-Azul.jpg 700w, https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Mar-Azul-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>\u201eEs ist soweit.\u201c C\u00e1 r\u00fcttelte leicht an Naldos Schulter und der war sofort wach. Fest schlafen konnte er hier im <em>Casa dos Pescadores <\/em>nicht \u2013 und schon gar nicht, wenn die Nacht um zwei Uhr vorbei war. Aber immerhin, jetzt teilte er sich mit seinen Kollegen ein richtiges Bett. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher hatte er oft im Boot geschlafen, oder besser gesagt: ged\u00f6st. Da gab es noch kein festes Haus f\u00fcr die Fischer.<\/p>\n\n\n\n<p>Er h\u00e4tte auch zu Hause schlafen k\u00f6nnen, oben in <em>Beltch<\/em><em>\u00ea<\/em><em>z<\/em>, aber dann h\u00e4tte er die ganze Familie aufgeweckt, sie schliefen ja alle in einem Raum. Also war er um zehn zum Hafen runtergegangen. Lisa hatte ihm noch einen <em>Couscous <\/em>und Kaffee in den kleinen Rucksack getan und ihm Gottes Segen mit auf den Weg gegeben. Sie machte sich immer Sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn er ehrlich war, ging es ihm \u00e4hnlich. Auch nach 23 Jahren als Fischer war da noch immer diese Nervosit\u00e4t, wenn sie nachts aufs Meer hinausfuhren. Nach tausend Fahrten so vertraut und bedrohlich zugleich. Es war ein guter Moment f\u00fcr eine Nachtfahrt, der Mond hatte gestern gewechselt und stand nur als eine ganz schmale Sichel am Himmel. Dann kamen auch die gr\u00f6\u00dferen Fische nach oben.<\/p>\n\n\n\n<p>Naldo nahm seinen Rucksack und ging mit C\u00e1 zur Rampe, die von einer einzelnen Neonr\u00f6hre beleuchtet war. Dort machte bereits schon eine andere Crew ihr Boot klar. Nur erfahrene Fischer fuhren nachts raus. Die Bedingungen waren komplett anders als tags\u00fcber. Alle Handgriffe mussten sitzen und man musste sich im wahrsten Sinne des Wortes blind verstehen. Und man musste das Meer f\u00fchlen \u2013 sehen konnte man es ja nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 war mit dem Hilux von Emerson gekommen und hatte einen Plastikkasten mit Eis und zwei 10-Liter-Benzinkanister mitgebracht. Sie luden die Sachen in die <em>Mar Azul<\/em> und dann halfen sie den drei Fischern der <em>Drag<\/em><em>\u00e3o<\/em>, ihr Boot ins Wasser zu schieben. Viel geredet wurde nicht. Alle waren ernst und auf ihre Aufgaben konzentriert. Mit dem Meer scherzte man nicht. Es war ein dunkler Riese, der gerade schlief und alle hofften, dass es auch so bleiben w\u00fcrde. Der Nord-Ost-Passat war kaum zu sp\u00fcren, nur die D\u00fcnung atmete \u2013 alle zw\u00f6lf Sekunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Naldo stand am Heck des Bootes und kontrollierte, ob der Propeller leicht drehte und die Einlassschlitze f\u00fcr das K\u00fchlwasser frei waren. Dann schoben die f\u00fcnf M\u00e4nner auch die <em>Mar Azul <\/em>die Rampe hinunter ins Wasser. Nur der letzte Teil des Kiels lag jetzt noch auf dem Beton. C\u00e1, dem das Boot geh\u00f6rte und der deshalb auch mit zwei Dritteln am Gewinn beteiligt war, setzte seine Stirnlampe auf und schaltete sie ein. Er st\u00f6pselte den Benzinschlauch eines Plastikkanisters in den Motor ein, \u00f6ffnete die Bel\u00fcftungsschraube, dr\u00fcckte die schwarze Handpumpe ein paar Mal und entriegelte den Motor mit der MOB-Leine.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOK?\u201c C\u00e1 sah Naldo fragend an. Naldo nickte und C\u00e1 ging so weit zur\u00fcck wie m\u00f6glich. Der Bug schwamm auf, Naldo schob noch einen Meter und zog sich dann an Bord. C\u00e1 hatte sich schon auf die Ruderbank gesetzt und die Riemen ausgebracht. Mit ein paar Schl\u00e4gen waren sie an der Hafenausfahrt. Naldo bediente den Choke, kontrollierte den Gashebel und zog dann das Startseil. Beim zweiten Versuch sprang der Viertakter an \u2013 wie immer. Naldo schob den Choke wieder zur\u00fcck und kuppelte ein. Mit langsamer Fahrt fuhren sie durch die Hafeneinfahrt und sofort verst\u00e4rkte sich die D\u00fcnung. Gem\u00e4chlich hob und senkte sich das Boot \u2013 alle zw\u00f6lf Sekunden.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 setzte sich auf die Heckbank und \u00fcbernahm den Motor. Er erh\u00f6hte die Drehzahl und das Boot schwenkte auf einen s\u00fcdlichen Kurs ein. Ihr Ziel war <em>Cutelo de A<\/em><em>\u00e7\u00facar<\/em>, ca. drei Seemeilen entfernt. Dieser Ort war gut gegen den Nord-Ost-Passat gesch\u00fctzt und D\u00fcnung und Wellen waren dort geringer. Au\u00dferdem gab es etwa 200 Meter vom Strand entfernt eine Abbruchkante, an der sich viele Kleinfische aufhielten. Hier bestand eine gute Chance, auch auf Thunfische zu treffen, die dort ihren Futterfischen nachstellten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf drei Seemeilen w\u00fcrde die <em>Mar Azul<\/em> etwa vier Liter Benzin verbrauchen. \u2018Mit 20 Litern sind wir auf der sicheren Seite.\u2019 dachte C\u00e1.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer Legende nach erhielt <em>Cutelo de A<\/em><em>\u00e7\u00facar <\/em>seinen Namen aufgrund einer Begebenheit, die weit mehr als hundert Jahre zur\u00fccklag: Wegen seiner gesch\u00fctzten Lage ankerten an diesem Ort h\u00e4ufig Frachtsegler, bevor sie den Hafen <em>Vale dos Cavaleiros<\/em> zum L\u00f6schen der Ladung anliefen. Diese Segler wurden von den Klippen aus von der hungernden Bev\u00f6lkerung beobachtet. In einem Moment, in dem die Besatzung das Schiff verlassen hatte, um Wasser und Nahrungsmittel aufzuf\u00fcllen, enterte eine Gruppe von Einheimischen den Segler und warf alle auffindbaren Lebensmittel ins Wasser, wo sie von anderen an Land gebracht und von dort abtransportiert wurden. Unter diesen F\u00e4ssern und anderen Beh\u00e4ltern befanden sich auch zahlreiche <em>caixas de a\u00e7\u00facar<\/em>, mit Zucker gef\u00fcllte Kisten \u2013 daher der Name. Im Haus von C\u00e1 gab es ein Mahagonitischchen, von dem die Familie erz\u00e4hlte, es sei von einem Tischler aus zwei dieser Kisten hergestellt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem die Beleuchtung des Hafens au\u00dfer Sicht geraten war, umfing sie Dunkelheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst sahen sie nur die schmale Sichel des Mondes und die hellsten Sterne. Direkt vor ihnen stieg gerade das Kreuz des S\u00fcdens aus dem Wasser zusammen mit seinem Begleiter Alpha Centauri. An Steuerbord schimmerten in vierzehn Seemeilen Entfernung die Lichter von Brava, unten die Beleuchtung des Hafens Furna und weiter oben die Stra\u00dfenbeleuchtung von Nova Sintra, dem Hauptort. Dann tauchten an Backbord einige Lichter von S\u00e3o Filipe auf, die direkt auf der Klippe standen.<\/p>\n\n\n\n<p>Allm\u00e4hlich hatten sich die Augen an die Dunkelheit gew\u00f6hnt. Die Konturen der Insel Brava konnte man erahnen und manchmal gab es gr\u00fcnliche Lichtblitze in der Bugwelle, wenn das Plankton leuchtete. Und \u00fcber allem spannte sich die Milchstra\u00dfe wie ein gigantisches Fischernetz.<\/p>\n\n\n\n<p>Naldo und C\u00e1 fuhren in einem Abstand von ca. 300 Metern zum Strand. Der Bug der <em>Mar Azul<\/em> tauchte sanft in die Wellen der D\u00fcnung, die jetzt schr\u00e4g von vorne kam. Im Wellental verschwanden die Lichter von Brava f\u00fcr einen kurzen Moment und sie sahen nur die Sterne, dann hob sich das Boot wieder. Beide M\u00e4nner hatten schon seit einer halben Stunde nicht mehr gesprochen und hingen ihren Gedanken nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Naldo dachte an seine Familie, Lisa und ihre drei Kinder und das Elend, in dem sie lebten \u2026 Elend war vielleicht zu viel gesagt, aber was war das f\u00fcr ein Leben, wenn man bei den Verwandten in den USA betteln musste, um das Schulgeld f\u00fcr die Kinder bezahlen zu k\u00f6nnen. Beti, die \u00c4lteste, und Z\u00e9 gingen auf das <em>liceu<\/em> und sie waren so gut, dass die Lehrer meinten, sie sollten da auch auf jeden Fall bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Lisa meinte ja, sie m\u00fcssten sich doch nicht beklagen &#8230; arm ja, aber trotzdem eine gl\u00fcckliche Famile \u2013 jedenfalls meistens \u2026 aber nur nicht hungern und in einer Baracke leben, das kann doch nicht alles sein, was man vom Leben erwarten sollte &#8230; die Kinder beklagten sich nicht, aber es war doch klar, dass sie ihre Familie mit der anderer Sch\u00fcler auf dem <em>liceu <\/em>verglichen \u2026 eine Schande, aber mehr Geld konnte er nicht verdienen, auch nicht auf dem Bau &#8230; ihm w\u00e4re es ja lieber, die Kinder w\u00fcrden irgendwo arbeiten gehen, aber da lie\u00df Lisa nicht mit sich reden.<\/p>\n\n\n\n<p>Letzte Woche waren sie alle zusammen auf dem <em>Cruz de Passos<\/em> gewesen, Die Stadtverwaltung hatte dort ein \u201eKinderparadies\u201c aufgebaut, Schaukeln, Kletterh\u00e4user und sogar eine Art Autoscooter. Timo wollte da spielen und nat\u00fcrlich auch mit einem der Elektroautos fahren, aber das war nicht umsonst und Geld hatten sie keines dabei. Dort trafen sie auch eine Klassenkameradin von Beti.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201aWir waren ihr peinlich!\u2018 dachte Naldo.<\/p>\n\n\n\n<p>In Naldos Kopf hatte sich eine Idee festgesetzt, die ihn st\u00e4ndig besch\u00e4ftigte und \u00fcber die<\/p>\n\n\n\n<p>er auch mit Lisa noch nicht gesprochen hatte: Beti ging jetzt \u00f6fter abends aus dem Haus, aber nicht mit ihrem Freund Dino, sondern alleine \u2026 und ziemlich aufgetakelt, sie hatte jetzt sogar einen Lippenstift. Und woher kamen diese Kleider? Angeblich von einer Freundin, die sie nicht mehr tragen w\u00fcrde \u2026 k\u00f6nnte es sein, dass sie von einem dieser reichen Ausl\u00e4nder ausgehalten wurde und Geschenke bekam, vielleicht auch Geld \u2026 gegen Sex? Naldo schloss die Augen, so ungeheuerlich war dieser Gedanke. Und wenn es tats\u00e4chlich so w\u00e4re \u2026 was sollte er sagen \u2026 und was sollte er tun.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir sind da, du kannst schon mal die Langleine klar machen.\u201c C\u00e1 riss Naldo aus seinen tr\u00fcben Gedanken. \u201eJeden zweiten Haken mit einem Fetzen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Langleine war etwa 50 Meter lang und auf eine leere \u00d6lflasche gewickelt. Die Hauptleine hing an Styroporst\u00fccken und wurde von kleinen Bleioliven in f\u00fcnf Meter Tiefe gehalten. Daran waren im Abstand von einem Meter Vorf\u00e4cher befestigt, die nur zwanzig Zentimeter lang waren. Jedes Vorfach hatte einen Haken mit roten Plastikpuscheln, die einen kleinen Tintenfisch imitieren sollten. Tags\u00fcber bissen Garoupa und Pargo in dem klaren Wasser direkt auf die Puscheln, aber in der Nacht musste man ihren Geruchssinn ansprechen und daf\u00fcr brauchte man die Fetzenk\u00f6der.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher hatten sie mit Hauptleine an der Oberfl\u00e4che und langen Vorf\u00e4chern gearbeitet, aber das hatte sich nicht bew\u00e4hrt. Sie hatten viel Zeit damit verbracht, die vert\u00fcdelten Leinen wieder zu entwirren. So etwas kam jetzt nur noch selten vor.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 schaltete auf Leerlauf und Naldo setzte sich auf die Ruderbank. Er griff in seine Hosentasche, zog die Stirnlampe hervor und setzte sie auf. Dann griff er in den K\u00f6derkasten, nahm einen der Fische und zerteilte ihn in daumennagelgro\u00dfe St\u00fccke. Naldo lie\u00df das erste Styroporst\u00fcck mit der Langleine ins Wasser gleiten. Dann best\u00fcckte er jeden zweiten Haken zus\u00e4tzlich mit einem Fischfetzen und die Leine verschwand allm\u00e4hlich im schwarzen Wasser, w\u00e4hrend C\u00e1 langsam voraus fuhr. Als die gesamte Leine ausgebracht war, befestigte Naldo sie am Dollbord und C\u00e1 schaltete wieder in den Leerlauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann setzte auch C\u00e1 die Stirnlampe auf und beide Fischer bereiteten ihre Handleinen vor. Sie waren auf ein Holzbrett gewickelt, etwa 100 Meter lang und hatten nur einen Haken. Die Sehne war etwas dicker als bei der Langleine, auch der Haken war etwas kr\u00e4ftiger und der Fischfetzen entsprechend gr\u00f6\u00dfer. Die angepeilte Beute waren <em>Atum<\/em> und vielleicht auch <em>Serra<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNimm mal ungef\u00e4hr zwanzig Meter, ich nehme zehn\u201c sagte C\u00e1. Sie senkten ihre K\u00f6der mit einem kleinen Vorblei auf die entsprechende Tiefe ab und nun begann das gro\u00dfe Warten.<\/p>\n\n\n\n<p>Den ersten Biss hatte Naldo auf seiner Handleine nach zwanzig Minuten. Die Sehne hatte er \u00fcber seine Handfl\u00e4che laufen und hielt sie mit dem Daumen fest. Dann sp\u00fcrte er ein ruckartiges Ziehen, nicht kr\u00e4ftig, aber da war etwas. Er zog die Leine mit einer z\u00fcgigen Bewegung an und die Reaktion kam sofort: der Fisch machte einen Fluchtversuch und ging auf Tiefe. Naldo stellte sich breitbeinig ins Boot und kontrollierte den Fisch mit Daumen und Zeigefinger. C\u00e1 holte seine Handleine ein, um Naldo nicht zu behindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Drill dauerte etwa 5 Minuten. Am Wichtigsten war es, die Leine immer auf Spannung zu halten. Wenn der Fisch auf das Boot zu geschwommen kam, holte Naldo die Leine schnell ein, ging er wieder tief, baute Naldo mit dem ganzen K\u00f6rper Spannung auf, lehnte sich leicht zur\u00fcck und glich dabei auch die Bewegung des Bootes in der D\u00fcnung aus. Er gab mit kontrolliertem Widerstand nach, wenn der Zug zu stark wurde und zog an, wenn der Fisch zum Stehen kam, um den Fisch zu erm\u00fcden ohne die Leine bis zum Zerrei\u00dfen zu beanspruchen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBrauchen wir das Gaff?\u201c fragte C\u00e1.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fisch machte eine letzte Flucht, dann kam er an die Oberfl\u00e4che. Im Schein der Stirnlampen sahen sie, dass er auf der Seite lag. Das war der Moment: beide Fischer verlagerten ihr Gewicht so, dass das Dollbord nahe an die Wasseroberfl\u00e4che kam und dann griff C\u00e1 in die Leine und zog den <em>Atum<\/em>an Bord. Beide Fischer schauten sich an und l\u00e4chelten. Dann zog Naldo den Holzkn\u00fcppel unter der Ruderbank hervor und schlug dem Fisch kr\u00e4ftig auf den Kopf. Er erschlaffte und Naldo schob ihm das Fischmesser unter einen Kiemendeckel, um ihm das R\u00fcckgrat und die Hauptschlagader zu durchtrennen. Dunkelrotes Blut trat aus. C\u00e1 nahm die P\u00fctz, lie\u00df sie ins Wasser fallen und zog sie an ihrem Strick halb voll wieder hoch. Dann go\u00df er das Wasser \u00fcber den Kopf des Fisches.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Fischer \u00f6ffneten ihren Rucksack, schenkten sich einen Kaffee ein und Naldo a\u00df ein St\u00fcck von dem <em>Couscous<\/em>, den Lisa ihm mit auf den Weg gegeben hatte. Sie waren jetzt 2 Stunden unterwegs \u2013 eine ruhige Tour, kein Wind und auch die D\u00fcnung war h\u00f6chstens einen Meter hoch.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMerkst du was?\u201c Naldo sah C\u00e1 fragend an<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNee, was ist denn?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Boot vibriert irgendwie \u2026 ich wei\u00df auch nicht \u2026\u201c Beide blickten \u00fcber das Wasser \u2026 schwarz, alles schwarz \u2026 und dann ein kurzer heller Schimmer, vielleicht zwanzig Meter entfernt &#8230; dann noch einer \u2026 und einer nur f\u00fcnf Meter entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin Schwarm\u201c fl\u00fcsterte Naldo, \u201ewir sitzen mitten auf einem Schwarm\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Beide bereiteten ihre Handleinen vor, spie\u00dften die K\u00f6der auf die Haken und C\u00e1 lie\u00df seine Leine als erster ins Wasser. Der Biss kam sofort.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 war total \u00fcberrascht und lie\u00df die Leine laufen. Der Fisch zog mit gro\u00dfer Geschwindigkeit fast senkrecht in die Tiefe. Die Leine spulte in einer rasanten Geschwindigkeit vom Brett ab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn er nicht gleich zum Stehen kommt, ist er weg, zusammen mit der Leine.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber genauso rasant, wie er abgetaucht war, schoss der Fisch auch wieder nach oben, so schnell konnte C\u00e1 die Leine gar nicht einholen. Jetzt schien er zu stehen und C\u00e1 nahm wieder Kontakt zu ihm auf. Er brachte die Leine auf Spannung, dann ein kurzer Schlag und dann \u2026 nichts mehr, kein Widerstand, die Leine baumelte im Wasser \u2026 der Fisch war weg.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSchei\u00dfe\u201c entfuhr es C\u00e1, \u201eder Haken hat nicht richtig gesessen \u2026 ich habe auch gar nicht richtig angehauen \u2026 es ging alles viel zu schnell.\u201c Er lie\u00df sich entgeistert auf die Ruderbank fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNoch sind wir \u00fcber dem Schwarm,\u201c sagte Naldo, \u201evielleicht kriegen wir eine zweite Chance:\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDann hole ich mal die Langleine ein.\u201c C\u00e1 hatte den Schock verdaut und wickelte die Langleine auf die \u00d6lflasche. \u201eSo einen Fisch hatte ich schon ewig nicht mehr am Haken, ich dachte, die gibts hier gar nicht mehr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich hatte das Durchschnittsgewicht der von den kapverdischen Fischern mit ihren offenen Booten gefangenen Thunfische in den letzten zwanzig Jahren stetig abgenommen. Die kapverdische Regierung hatte verschiedene Fischereiabkommen mit der EU und China geschlossen, die es Schiffen dieser Staaten erlaubte, auch in kapverdischen Hoheitsgew\u00e4sser Fischfang zu betreiben und das taten sie auch \u2013 mit gro\u00dfen Fischtrawlern und Industrieschiffen, die den Fang direkt an Bord verarbeiteten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich beinhalteten diese Abkommen auch Fangquoten und Mindestgr\u00f6\u00dfen, aber wie sollte die kleine kapverdische K\u00fcstenwache das kontrollieren? Tatsache war jedenfalls, dass der Fischreichtum der kapverdischen Gew\u00e4sser deutlich abgenommen hatte und es stand der Verdacht im Raum, dass weder die Europ\u00e4er noch die Chinesen die vereinbarten Fangquoten einhielten.<\/p>\n\n\n\n<p>Naldo lie\u00df seine Handleine, die er schon vorbereitet hatte, ins Wasser. In zehn Metern Tiefe kam der Biss. Naldo zog an, um den Haken zu setzen und wieder ging der Fisch sofort auf Tiefe und wieder n\u00e4herte sich die Handleine bedrohlich ihrem Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWarum habe ich blo\u00df bei der Leine gespart,\u201c fluchte Naldo, aber auch dieser Fisch schoss dann doch wieder nach oben allerdings in Richtung offenes Meer. Naldo zog die Leine ein so schnell es ihm m\u00f6glich war. Sie ringelte sich jetzt auf dem Holzboden vor der Ruderbank. Hoffentlich w\u00fcrde sie sich nirgends verhaken. Naldo ging zum Bug, stellte sich dort breitbeinig vor die dreieckige Sitzbank und versuchte den Fisch mit der rechten Hand und dem Druck des Daumens zu kontrollieren und eine m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfige Leinenspannung zu halten. Dabei musste er auch das Auf und Ab des Bootes in der D\u00fcnung ausgleichen. Keine leichte Aufgabe, aber nach 25 Jahren auf See waren diese Bewegungen eine automatisierte Routine. Und auf keinen Fall durfte das Boot quer zur Leine kommen, das w\u00e4re dann wohl das Ende dieser Jagd.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMach mal den Motor an, C\u00e1 \u2026 ich glaube, wir m\u00fcssen ihm folgen und wenn der Zug zu gro\u00df wird, kuppelst du ein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In der Tat zog der Fisch stetig in Richtung Brava und die Leine schnitt mit einem leisen Zischen durch das Wasser. Naldo musste immer wieder Leine nachgeben, damit die Spannung den kritischen Punkt nicht \u00fcberschritt. Lange konnte er das nicht mehr machen, er hatte nur noch wenige Meter Reserve auf der Handleine.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJetzt einkuppeln!\u201c rief Naldo \u201eaber ganz vorsichtig.\u201c Das Boot beschleunigte etwas und das nahm Druck von der Leine. C\u00e1 folgte dem Fisch mit langsamer Fahrt und Naldo konnte jetzt die Leine allm\u00e4hlich wieder einziehen ohne die Spannung zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Naldo richtete den Lichtkegel seiner Stirnlampe auf den Punkt, an dem die Leine im Wasser verschwand. Auch nach zehn Minuten schien der Fisch kaum an Kraft verloren zu haben, aber er hatte seine Richtung ge\u00e4ndert und schwamm jetzt nordw\u00e4rts. Das machte die Sache etwas einfacher, weil er das Boot nun mit der D\u00fcnung zog und es so stabiler im Wasser lag. Und er war schon zweimal fast an die Oberfl\u00e4che gekommen, dann aber wieder abgetaucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Naldos rechter Arm begann zu zittern und er bekam einen Krampf im Daumen. Er wechselte auf den linken Arm.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSoll ich \u00fcbernehmen?\u201c fragte C\u00e1<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein, geht schon.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach f\u00fcnfzehn Minuten \u2013 h\u00e4tte man Naldo gefragt, w\u00e4re es \u201emindestens eine Stunde\u201c &#8211; war dann aber doch ein Nachlassen der Kr\u00e4fte des Fisches zu sp\u00fcren. Die Unterst\u00fctzung des Motors war nicht mehr n\u00f6tig, C\u00e1 konnte auskuppeln, Naldo konnte die Leine auch ohne Motor Meter f\u00fcr Meter weiter einziehen und die Distanz zum Fisch verringern. Aber der kritische Punkt stand noch bevor. Wie w\u00fcrde das Tier reagieren, wenn es das Boot zum ersten Mal sehen w\u00fcrde?<\/p>\n\n\n\n<p>Sie n\u00e4herten sich allm\u00e4hlich diesem entscheidenden Moment. Die Entfernung betrug nur noch etwa f\u00fcnf Meter. Naldo bereitete sich darauf vor, dass der Fisch eine wilde Flucht machen w\u00fcrde und er schnell viel Leine geben m\u00fcsste. Genau das trat auch ein. Der Fisch tauchte in der N\u00e4he des Bootes auf und Naldo konnte im Schein seiner Stirnlampe das schwarze Auge des Tieres sehen. Voller Panik mobilisierte es alle verbliebenen Kr\u00e4fte und scho\u00df in die Tiefe. Naldo lehnte sich zur\u00fcck und hielt den linken Arm nach vorne ausgestreckt. Er hatte sich ein Tuch in die Handfl\u00e4che gelegt, denn die Leine hatte ihm schon zwei tiefe Schnitte in der Hand beigebracht aus der kleine dunkelrote Perlen quollen. Mit dem Daumen \u00fcbte er Druck auf die Leine aus, ein Widerstand, gegen den das Tier ank\u00e4mpfen musste. Die Flucht war heftig, kam aber nach kurzer Zeit zum Stehen und wieder begann Naldo, die Leine mit der freien Hand einzuziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vorgang wiederholte sich noch einige Male. Wenn der Fisch das Boot und die tanzenden Lichter der Stirnlampen sah, fl\u00fcchtete er in wilder Panik. Schlie\u00dflich gelang es Naldo, das Tier l\u00e4ngsseits zu ziehen. Dort kippte es auf die Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJetzt?\u201c fragte C\u00e1<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort gab der Fisch. Noch ein letztes Mal versuchte er, seinem Schicksal zu entkommen und tauchte ab &#8230; aber der Haken sa\u00df unerbittlich in seinem Maul und die Leine hielt. Naldo zog sie ein, nachdem das Tier zum Stehen gekommen war und bugsierte den Fisch neben das Boot, wo er nun v\u00f6llig entkr\u00e4ftet auf der Seite lag.<\/p>\n\n\n\n<p>Naldos Mund war trocken und f\u00fchlte sich an, als h\u00e4tte er Sand darin. Sein Herz schlug wild und der ganze K\u00f6rper vibrierte.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 nahm das Gaff in die Hand und beide Fischer traten auf eine Seite des Bootes und neigten es, bis das Dollbord auf Wasserh\u00f6he war. Naldo hob den Kopf des Fisches mit zitternder Hand leicht an und griff unter einen Kiemendeckel, C\u00e1 schob das Gaff unter den anderen Kiemendeckel.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJetzt!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Beide zogen mit aller Kraft und dann glitt der Fisch in einer geschmeidigen Bewegung zusammen mit einem Schwall Wasser ins Boot.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201aWelch ein Gesch\u00f6pf\u2018, dachte Naldo, als er den riesigen <em>atum<\/em> betrachtete und f\u00fcr einen Moment blitzte ein Zweifel in ihm auf: \u201aWas tun wir hier eigentlich?\u2018 Nach diesem Kampf kam ihm der Fisch pl\u00f6tzlich wie ein ebenb\u00fcrtiges Wesen vor, dem er seine Freiheit genommen hatte und das sie jetzt t\u00f6ten w\u00fcrden. Er erschauderte &#8211; noch nie war ihm ein solcher Gedanke durch den Kopf gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 holte den Holzkn\u00fcppel unter der Ruderbank hervor und hieb ihn mit voller Kraft auf den Kopf des Tieres. Ein Zittern ging durch dessen K\u00f6rper. Er schlug mit der Schwanzflosse und streifte Naldos Bein, an dem sich rote Striemen abzeichneten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePass blo\u00df auf, Naldo, ich wei\u00df nicht, ob er schon richtig bet\u00e4ubt ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dann versetzte C\u00e1 dem Tier einen weiteren kr\u00e4ftigen Schlag und Naldo zog das Fischmesser aus seiner Halterung. Das Durchtrennen der Mittelgr\u00e4te war ein richtiger Kraftakt, ganz anders als bei dem \u201eKleinen\u201c vorher. Er konnte sich nicht erinnern, jemals einen <em>atum<\/em> dieser Gr\u00f6\u00dfe gefangen zu haben \u2026 es gab sie also doch noch &#8230; auch vor S\u00e3o Filipe.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 holte wieder eine P\u00fctz Wasser und sp\u00fclte das Blut in die Bilge.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konturen der Bordeira waren jetzt erkennbar, die Farbe des Himmels hatte von tiefschwarz zu anthrazit gewechselt, die Morgend\u00e4mmerung hatte begonnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eC\u00e1, hast du den Motor ausgemacht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNein \u2026 ist wohl von selber ausgegangen \u2026 komisch \u2026 Benzin haben wir noch genug.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 richtete die Stirnlampe auf den Motor und ergriff die Starterleine.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEr ist noch warm \u2026 sogar ziemlich warm.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 zog am Anlasser und beim dritten Versuch sprang der Motor an.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWollen wir die Langleine wieder auslegen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht \u2026 meinetwegen k\u00f6nnen wir auch zur\u00fcck. Den Fisch zu verkaufen wird nicht einfach, wir sollten da sein, wenn der Markt auf macht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJa, mir reicht es auch f\u00fcr heute.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 ging auf Halbgas und nahm Kurs Richtung Norden. Die Wellenberge und -t\u00e4ler waren jetzt schon zu erkennen und die Lichter von S\u00e3o Filipe waren etwas blasser geworden. Sie fuhren jetzt mit der D\u00fcnung, eine schnelle Fahrt, in einer Dreiviertelstunde w\u00e4ren sie wieder im Hafen. Dann ging der Motor aus \u2013 einfach so.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 hob den Kanister an und sch\u00fcttelte ihn.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDa sind noch ein paar Liter drin, ich verstehe das nicht \u2026 ob was mit der Kerze ist?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er beugte sich \u00fcber den Motor, um die Abdeckung abzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e\u2026 und er ist hei\u00dfer als normal \u2026 irgendwas mit der K\u00fchlung \u2026 vielleicht haben wir Dreck angesaugt \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 nahm die Stirnlampe in die Hand und leuchtete am Motorschaft hinunter zum Propeller. Dort waren auch die Ansaugschlitze f\u00fcr das K\u00fchlwasser. Eine kleine Plastikt\u00fcte hatte sich um das untere Ende des Schaftes gewickelt. Er beugte sich \u00fcber den Heckspiegel, griff ins Wasser und entfernte die T\u00fcte. Dem Bild konnte man entnehmen, dass sie mal Kartoffelchips enthalten hatte und sie trug chinesische Schriftzeichen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd der Plastikm\u00fcll, der bei uns im Hafen angesp\u00fclt wird, wird auch immer mehr. \u2013 Ich schlie\u00dfe mal den vollen Kanister an, das reicht dann bestimmt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 zog den Benzinschlauch von dem einen Kanister ab, steckte ihn auf den anderen und pumpte an. Dann startete er den Motor ohne weitere Probleme und sie setzten ihre Fahrt fort. Nach f\u00fcnf Minuten ging der Motor wieder aus. C\u00e1 fluchte und legte seine Hand auf den Motor, die Temperatur war normal. Auch die Kontrolle der K\u00fchlwasserschlitze zeigte nichts ungew\u00f6hnliches, die K\u00fchlung war es diesmal nicht. C\u00e1 versuchte den Motor zu starten, aber da tat sich nichts mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVielleicht ist die Benzinleitung verstopft, ich habe den Benzinfilter schon lange nicht mehr gewechselt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 nahm die Abdeckung ab, klappte den Motor hoch und suchte den Benzinfilter. Gar nicht so einfach, mittlerweile waren sie quer zur D\u00fcnung getrieben und das Boot machte jetzt wilde Bewegungen.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 leuchtete den Benzinschlauch entlang und fand dort den Benzinfilter. Er war transparent und offensichtlich sauber. Sand oder \u00e4hnliches war nicht zu erkennen. Als n\u00e4chstes k\u00f6nnte man die Z\u00fcndkerze \u00fcberpr\u00fcfen, aber der Motor sprang ja gut an, sie war es wahrscheinlich auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHast du eigentlich die Bel\u00fcftungsschraube von dem neuen Kanister aufgedreht?\u201c Naldo dachte an das naheliegende.<\/p>\n\n\n\n<p>C\u00e1 sah ihn an und verdrehte die Augen. Dann \u00f6ffnete er die Bel\u00fcftungsschraube und mit einem zischenden Ger\u00e4usch wurde der Unterdruck ausgeglichen. C\u00e1 klappte den Motor zur\u00fcck, setzte die Abdeckung wieder auf und dr\u00fcckte die Handpumpe. Beim zweiten Versuch sprang der Motor an.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die beiden Fischer in den Hafen einliefen, war es hell. C\u00e1 setzte die Mar Azul vorsichtig auf der Rampe auf. Dann ging Naldo zum Bug, sprang von Bord und zog das Boot so weit es ging auf den Beton.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie befestigten zwei Stricke an dem gro\u00dfen Thunfisch. Einen zogen sie durch die Kiemen und einen wickelten sie um seine Schwanzwurzel. Dann verknoteten sie beide Stricke an einem der Riemen und C\u00e1 rief Emerson an. Es klingelte oft und Emerson kam offenbar aus dem Tiefschlaf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr seid schon wieder da? \u2026 Ja, aber nicht sofort \u2026 in einer halben Stunde \u2026 ja \u2026 ja, bis gleich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich dauerte es fast eine Stunde, dann kam Emerson und hielt vor der Rampe.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDu musst mal mit anfassen, wir kriegen ihn nicht alleine von Bord.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Emerson schaute ins Boot und kratzte sich am Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJunge, Junge, so ein Teil habe ich schon ewig nicht mehr gesehen \u2026 war wohl nicht ganz einfach?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Naldo und Emerson standen au\u00dferhalb des Bootes, griffen das eine Ende des Riemens und hoben an. C\u00e1 stand im Boot, fasste das andere Ende und gemeinsam hievten sie den Fisch \u00fcber die Bordkante. C\u00e1 legte sein Ende des Riemens aufs Dollbord und stieg auch aus. Dann trugen sie den Fisch, der jetzt unter dem Riemen baumelte, gemeinsam zur Ladefl\u00e4che des Hilux.<\/p>\n\n\n\n<p>Naldo erinnerte sich an ein altes Schwarz-Wei\u00df-Foto, das seine Lehrerin vor 25 Jahren mal mit in den Unterricht gebracht hatte, das schon damals \u00fcber 100 Jahre alt gewesen war und das er nicht vergessen konnte. Es zeigte zwei grinsende Wei\u00dfe mit Gewehr und Tropenhelm und davor zwei Sklaven mit einer Stange auf ihren Schultern. Und unter der Stange baumelte ein dritter Sklave an zwei Stricken und mit gefesselten H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen \u2026 genau so.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Glossar<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td>Alpha Centauri<\/td><td>heller Stern \u00f6stlich vom Kreuz des S\u00fcdens<\/td><\/tr><tr><td>Atum<\/td><td>port.: Thunfisch<\/td><\/tr><tr><td>Backbord<\/td><td>auf einem Boot in Fahrtrichtung links<\/td><\/tr><tr><td>Beltch\u00eaz<\/td><td>Stadtteil von S\u00e3o Filipe, Wohnort vieler Fischer<\/td><\/tr><tr><td>Bilge<\/td><td>tiefster Teil des Schiffsbodens<\/td><\/tr><tr><td>Bleioliven<\/td><td>L\u00e4nglich-runde Bleist\u00fccke mit einem Loch f\u00fcr die Sehne<\/td><\/tr><tr><td>Bordeira<\/td><td>Kante des Kraters auf Fogo, bis 2700m hoch<\/td><\/tr><tr><td>Brava<\/td><td>kleinere Nachbarinsel von Fogo, ca 20km entfernt<\/td><\/tr><tr><td>Bug<\/td><td>vorderer Teil des Bootes<\/td><\/tr><tr><td>Caixas de a\u00e7\u00facar<\/td><td>port.: Zuckerkisten<\/td><\/tr><tr><td>Casa dos Pescadores<\/td><td>port.: Haus der Fischer<\/td><\/tr><tr><td>Choke<\/td><td>Starthilfe am 4-Takt-Motor<\/td><\/tr><tr><td>Couscous<\/td><td>im Wasserdampf gebackener Kuchen aus Maisgries<\/td><\/tr><tr><td>Cruz de Passos<\/td><td>gro\u00dfer Platz im Zentrum von S\u00e3o Filipe<\/td><\/tr><tr><td>Cutelo de A\u00e7\u00facar<\/td><td>kleine Siedlung s\u00fcdlich von S\u00e3o Filipe<\/td><\/tr><tr><td>Dollbord<\/td><td>oberes Abschlu\u00dfbrett der Bootswand<\/td><\/tr><tr><td>Drag\u00e3o<\/td><td>port.: Drachen, hier Bootsname<\/td><\/tr><tr><td>Drill<\/td><td>Kampf mit dem Fisch, um ihn zu erm\u00fcden<\/td><\/tr><tr><td>D\u00fcnung<\/td><td>langgezogene Wellen unabh\u00e4ngig vom aktuellen Wind<\/td><\/tr><tr><td>Fischfetzen<\/td><td>Fischst\u00fccke, als K\u00f6der benutzt<\/td><\/tr><tr><td>Furna<\/td><td>kleiner Hafenort auf Brava<\/td><\/tr><tr><td>Gaff<\/td><td>Eisenhaken zum Anlanden des Fisches<\/td><\/tr><tr><td>Garoupa<\/td><td>Zackenbarsch, ca. 30cm<\/td><\/tr><tr><td>Handleine<\/td><td>Nylonsehne mit einem Haken, wird in der Hand gehalten<\/td><\/tr><tr><td>Heck<\/td><td>hinterer Teil des Bootes<\/td><\/tr><tr><td>Heckspiegel<\/td><td>hinteres Abschlu\u00dfbrett des Bootsrumpfs<\/td><\/tr><tr><td>Hilux<\/td><td>offener Kastenwagen von Toyota<\/td><\/tr><tr><td>Kiemendeckel<\/td><td>Atmungsklappen am Kopf des Fisches<\/td><\/tr><tr><td>Kreuz des S\u00fcdens<\/td><td>Sternbild im S\u00fcden, in Europa nicht sichtbar<\/td><\/tr><tr><td>Langleine<\/td><td>Nylonsehne mit vielen Vorf\u00e4chern, wird ausgelegt<\/td><\/tr><tr><td>Liceu<\/td><td>port.: Gymnasium<\/td><\/tr><tr><td>Mar Azul<\/td><td>port.: Blaues Meer, hier Bootsname<\/td><\/tr><tr><td>MOB-Leine<\/td><td>Sicherheitsleine, beim Entfernen stoppt der Motor sofort<\/td><\/tr><tr><td>Nord-Ost-Passat<\/td><td>ganzj\u00e4hriger stetiger Wind auf den Kapverden<\/td><\/tr><tr><td>Nova Sintra<\/td><td>Hauptort auf Brava, ca. 600m hoch gelegen<\/td><\/tr><tr><td>Pargo<\/td><td>port.: Meerbrasse<\/td><\/tr><tr><td>Plankton<\/td><td>pflanzliche und tierische Kleinstlebewesen im Meer<\/td><\/tr><tr><td>Propeller<\/td><td>Antriebsschraube am Schiffsmotor<\/td><\/tr><tr><td>P\u00fctz<\/td><td>Eimer mit einem kurzen Strick<\/td><\/tr><tr><td>Riemen<\/td><td>seem.: Ruder<\/td><\/tr><tr><td>S\u00e3o Filipe<\/td><td>Hauptstadt der kapverdischen Insel Fogo<\/td><\/tr><tr><td>Schwanzwurzel<\/td><td>schmalste Stelle zwischen Rumpf und Schwanzflosse eines Fisches<\/td><\/tr><tr><td>Seemeile<\/td><td>1,852 km<\/td><\/tr><tr><td>Sehne<\/td><td>Angelschnur in unterschiedlichen St\u00e4rken<\/td><\/tr><tr><td>Serra<\/td><td>Scomberomorus tritor oder Wahoo, Makrelenart<\/td><\/tr><tr><td>Steuerbord<\/td><td>auf einem Boot in Fahrtrichtung rechts<\/td><\/tr><tr><td>Vale dos Cavaleiros<\/td><td>Hafen von S\u00e3o Filipe<\/td><\/tr><tr><td>Vorfach<\/td><td>kurze Nylonsehne, an der ein Haken befestigt ist<\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><tr><td><br><\/td><td><br><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs ist soweit.\u201c C\u00e1 r\u00fcttelte leicht an Naldos Schulter und der war sofort wach. Fest schlafen konnte er hier im Casa dos Pescadores nicht \u2013 und schon gar nicht, wenn die Nacht um zwei Uhr vorbei war. Aber immerhin, jetzt &hellip; <a href=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/?page_id=2450\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":195,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2450","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2450","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2450"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2450\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2518,"href":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/2450\/revisions\/2518"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/195"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2450"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}