{"id":228,"date":"2012-11-19T08:19:52","date_gmt":"2012-11-19T07:19:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/?page_id=228"},"modified":"2026-04-15T17:16:56","modified_gmt":"2026-04-15T16:16:56","slug":"kommen-und-gehen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/?page_id=228","title":{"rendered":"Kommen und Gehen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\"><em>If I go it will be trouble, if I stay it will be double <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-small-font-size\"><em>The Clash<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"913\" height=\"610\" src=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kommen-und-Gehen.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2567 size-full\" srcset=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kommen-und-Gehen.png 913w, https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kommen-und-Gehen-300x200.png 300w, https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Kommen-und-Gehen-768x513.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 913px) 100vw, 913px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Am Anfang waren die Kapverden nicht gerade w\u00fcst, aber leer, d.h. unbesiedelt. Ab dem 15. Jahrhundert setzte dann ein reges Kommen und Gehen ein. Wer tats\u00e4chlich als erster seinen Fu\u00df auf eine der Inseln gesetzt hat, ist nicht wirklich gekl\u00e4rt.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Auf jeden Fall hatte im 15. Jahrhundert immer der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer seine Finger im Spiel. M\u00f6glicherweise waren es aber auch viel fr\u00fcher Fischer von der afrikanischen Westk\u00fcste, die allerdings andere Interessen hatten, als sich in die Geschichtsb\u00fccher einzutragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besiedlung begann im Jahr 1461 mit portugiesischen Milit\u00e4rstationen auf den Inseln Santiago und Fogo und schon kurz darauf begann auch der Sklavenhandel, der mit einer 25-prozentigen Gewinnsteuer f\u00fcr die portugiesische Krone belegt war. Die Kapverden wurden zur portugiesischen Kolonie und 1513 fand die erste Volksz\u00e4hlung statt. Das Ergebnis: insgesamt 162 Einwohner, davon 58 Wei\u00dfe, 16 freie Farbige und 12 Priester, au\u00dferdem Soldaten, Strafgefangene und etwa 13000 Sklaven.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"popmake-1977\">Die meisten Siedler waren ohne Familie ausgewandert und bekamen Kinder mit schwarzafrikanischen Frauen \u2013 oft gegen deren Willen. Manchmal war aber auch Liebe im Spiel und das Paar heiratete. Das ist der Ursprung der haupts\u00e4chlich von Mulatten gepr\u00e4gten kapverdischen Bev\u00f6lkerung. Und zur Verst\u00e4ndigung zwischen Afrikanern und Portugiesen entstand eine einfache, nur gesprochene Sprache, <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-blue-color\">das Kreol<\/mark><\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch den Sklavenhandel ging es mit Wirtschaft und Wohlstand steil bergauf. Das hatte aber auch seine Schattenseiten. Der Reichtum sprach sich rum und mehrfach wurden Ortschaften von Piraten gepl\u00fcndert. So z.B. Santiagos damalige Hauptstadt Ribeira Grande von Sir Francis Drake, der ganz offiziell mit einem Kaperbrief der englischen K\u00f6nigin Elizabeth ausgestattet war.<\/p>\n\n\n\n<p>Im 18. Jahrhundert kam es zum gro\u00dfen Niedergang. Durch immer wiederkehrende lange D\u00fcrreperioden verhungerten gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung und ebenfalls der Viehbestand. Au\u00dferdem hatte die unkontrollierte Abholzung der Inseln zu Erosion und Versteppung gef\u00fchrt. Der Betrieb der meisten Plantagen wurde eingestellt und die dort besch\u00e4ftigten Sklaven wurden in die Freiheit entlassen. F\u00fcr viele bedeutete diese neugewonnene Freiheit den sicheren Untergang, da sie keine M\u00f6glichkeiten hatten, sich zu versorgen. Und Hilfe aus dem Mutterland Portugal kam nicht. Dies hatte sein Augenmerk auf ein neues und viel lukrativeres Ziel gerichtet: Brasilien.<\/p>\n\n\n\n<p>So begann der Exodus. Gro\u00dfe Teile der m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung verlie\u00dfen die Inseln, die meisten in Richtung Neuengland nach Massachusetts und Rhode Island mit dem Versprechen an ihre Familien, dort hart zu arbeiten und sie nachzuholen oder nach Kr\u00e4ften zu unterst\u00fctzen. Au\u00dferdem wurden besonders die Inseln Fogo und Brava von Walf\u00e4ngern angelaufen, um dort Besatzung anzuheuern und viele junge M\u00e4nner nutzten diese Gelegenheit. Auch die Kakaoplantagen auf der Tropeninsel S\u00e3o Tom\u00e9 hatten einen gro\u00dfen Bedarf an Arbeitskr\u00e4ften, besch\u00e4ftigten viele Kapverder und trugen so zur Abwanderung der jungen m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts brach die Wirtschaft endg\u00fcltig zusammen. Im Ersten Weltkrieg kam der Seehandel weltweit fast zum Erliegen und die Kapverden wurden kaum noch angelaufen. Unterst\u00fctzung aus Portugal gab es weiterhin nicht. Kolonien sollten Profite bringen und dem Staat nicht auf der Tasche liegen. Wer es irgendwie erm\u00f6glichen konnte, versuchte die Kapverden zu verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zweiten Weltkrieg wurde die g\u00fcnstige strategische Lage der Inseln von den Kriegsparteien erkannt und die Kapverden erlangten dadurch eine gewisse Bedeutung. Der Bev\u00f6lkerung nutzte das aber nichts, im Gegenteil: in den Jahren 1945 bis 1948 kam es abermals zu einer Hungerkrise, bei der z.B. auf der Insel Santiago 65% der Bev\u00f6lkerung starben. Hilfe aus dem Ausland blieb weiterhin aus, das war direkt nach dem gro\u00dfen Krieg mit anderen Dingen besch\u00e4ftigt. So ist der Wunsch vieler Kapverder, ihrem Heimatland zu entfliehen, nur zu verst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"806\" height=\"613\" src=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emiracao-para-Portugal.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2500 size-full\" srcset=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emiracao-para-Portugal.jpg 806w, https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emiracao-para-Portugal-300x228.jpg 300w, https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Emiracao-para-Portugal-768x584.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 806px) 100vw, 806px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p>Die Emigration ist bis zum heutigen Tage ungebrochen und hartn\u00e4ckig h\u00e4lt sich in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung die Vorstellung, dass nur der eine Aussicht auf ein gl\u00fcckliches Leben hat, dem es gelingt den Kapverden den R\u00fccken zu kehren. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"popmake-2019\">Laut einer aktuellen Umfrage in 2024 haben 64% der auf den Kapverden lebenden Bev\u00f6lkerung den Wunsch, das Land dauerhaft zu verlassen. Und Emigration ist auch notwendig. Die Zuwendungen der in vielen L\u00e4ndern der Welt lebenden Emigranten an ihre kapverdischen Familien stellen einen der gr\u00f6\u00dften Wirtschaftsfaktoren dar und sichern deren Lebensunterhalt. Vom Aussterben bedroht sind die Kapverden deshalb aber nicht. Im Jahr 1960 lag die <strong><mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-blue-color\">Einwohnerzahl der Kapverden<\/mark><\/strong> bei etwa 200.000 Personen, heute sind es weit \u00fcber 500.000. Die Geburtenrate betr\u00e4gt etwa das dreifache der Sterberate und so wird die Emigration mehr als ausgeglichen. Mehr Zahlen und Statistiken finden sich auf der <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Laender-Regionen\/Internationales\/Laenderprofile\/cabo-verde.pdf?__blob=publicationFile\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Laender-Regionen\/Internationales\/Laenderprofile\/cabo-verde.pdf?__blob=publicationFile\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Seite des Statistischen Bundesamtes<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es seit einigen Jahrzehnten eine neue Wanderbewegung: die Touristen. Im Jahr 2023 hat die Anzahl der Touristen, die auf den Kapverden Urlaub machten, erstmals die Millionenmarke \u00fcberschritten. Nat\u00fcrlich profitieren die gro\u00dfen Reisekonzerne am meisten, aber auch der Staat und Teile der Bev\u00f6lkerung. Die Kapverden sind weltweit bekannter geworden und so gibt es auch eine stetig wachsende Zuwanderung von beg\u00fcterten Ausl\u00e4ndern, die sich dort niederlassen oder eine Ferienwohnung erwerben.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Biographien der auf der Insel Fogo lebenden Menschen sind von diesem Kommen und Gehen gepr\u00e4gt. Zum Schluss dieses Beitrags dazu eine kleine Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"popmake-1868\">Renate hatte in ihrem fr\u00fcheren Leben in Deutschland als Sozialp\u00e4dagogin gearbeitet, war zusammen mit ihrem italienischen Mann Luigi, der schon viel in Afrika gereist war, 1997 nach S\u00e3o Filipe gekommen und hatte dort ein Restaurant er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text is-stacked-on-mobile popmake-1869\" style=\"grid-template-columns:49% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"300\" src=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/pudim-de-cafe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1902 size-full\" srcset=\"https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/pudim-de-cafe.jpg 400w, https:\/\/wordpress2.sao-filipe.com\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/pudim-de-cafe-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p> Renate und ihr Mann geh\u00f6rten zu den ersten Europ\u00e4ern, die diesen Schritt wagten und Renate wurde in den n\u00e4chsten Jahren zu einer touristischen Institution in S\u00e3o Filipe. Legend\u00e4r die Abende mit lokalen Musikgruppen und der <mark style=\"background-color:rgba(0, 0, 0, 0)\" class=\"has-inline-color has-blue-color\">Pudim de Caf\u00e9<\/mark>.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>10 Jahre sp\u00e4ter merkte Renate, wie die Kr\u00e4fte allm\u00e4hlich nachlie\u00dfen. Luigi war schon gestorben und der Wunsch nach einem ruhigen Leben ohne t\u00e4gliche Verpflichtungen und Verantwortung wurde immer st\u00e4rker.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">An dieser Stelle kommt ein anderes Schicksal ins Spiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Am\u00e9lia* wurde in Guinea-Bissau geboren und geh\u00f6rt zur Volksgruppe der Manjaka. Sie ist eines von 30 Kindern, die ihr Vater gemeinsam mit 7 Frauen hat. Um den Kriegswirren in Guinea-Bissau 1998\/99 zu entgehen, siedelte die gesamte Familie nach Dakar um, wo es Am\u00e9lias Vater als H\u00e4ndler und traditioneller afrikanischer Heiler zu einigem Wohlstand brachte.<\/p>\n\n\n\n<p>2007 lernte Am\u00e9lia einen jungen Kapverder kennen, der vor einiger Zeit nach Dakar gekommen war, um dort im Gesch\u00e4ft seines Onkels zu arbeiten. Besonders zufriedenstellend war diese Besch\u00e4ftigung nicht und so beschlossen Am\u00e9lia, ihre Schwester Patr\u00edcia* und D&#8217;jara nach S\u00e3o Filipe umzusiedeln und dort ihr Gl\u00fcck zu versuchen.<\/p>\n\n\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Nach einigem Hin und Her lernten sich Renate und Am\u00e9lia kennen und schmiedeten einen Plan: Amelia \u00fcbernimmt den Restaurantbetrieb von Renate und diese wohnt weiterhin in ihrer Wohnung auf der Dachterrasse \u2013 sozusagen mit Familienanschluss aber ohne Stress. Und die Frage nach einer Arbeit f\u00fcr Patr\u00edcia und D&#8217;jara war damit auch gekl\u00e4rt: Patr\u00edcia in der K\u00fcche und D&#8217;jara im Service. <\/p>\n\n\n\n<p>* Der Name wurde ge\u00e4ndert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>If I go it will be trouble, if I stay it will be double The Clash Am Anfang waren die Kapverden nicht gerade w\u00fcst, aber leer, d.h. unbesiedelt. Ab dem 15. 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