Biosphärenreservat oder Sandabbau

Im Oktober 2019 hat das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt bei der UNESCO beantragt, die Inseln Fogo und Maio als Biosphärenreservate anzuerkennen. Sollte die UNESCO diesem Antrag zustimmen, ist damit der Anspruch verbunden, dass auf diesen Inseln ein nachhaltiges Gleichgewicht von Ökonomie und Ökologie hergestellt und aufrechterhalten wird.

Die Inseln sollen dann als Modellregionen für nachhaltige Entwicklung beispielhaft demonstrieren, wie in diesen speziellen Landschaften das lokale wirtschaftliche Handeln, das Bewahren der natürlichen Ressourcen und der Artenvielfalt und das Wohlergehen der Bevölkerung in Einklang gebracht werden können.

Sollten Fogo und/oder Maio anerkannt werden, würden sich die Kapverden in den Kreis der 124 Länder einreihen, in denen bislang 701 Biosphärenreservate bestehen. Die UNESCO hat eine Entscheidung für Mitte 2020 in Aussicht gestellt.

Der Verein „Projecto Vitó“ ist seit 10 Jahren auf Fogo aktiv und setzt sich für Umweltschutz und speziell den Schutz der Schildkröten ein, die den Strand „Fonte Bila“ unterhalb der Stadt São Filipe als Laichplatz nutzen. Ebenfalls an diesem Strand wird allerdings auch seit vielen Jahren Sand abgebaut, der dann von der Bauwirtschaft weiterverarbeitet wird.

Der Vorsitzende des Vereins Projecto Vitó, Herculano Dinis, machte anlässlich des Antrags an die UNESCO deutlich, dass sich diese Praxis überhaupt nicht mit den Ansprüchen an ein Biosphärenreservat vereinbaren läßt, auch wenn Fogo ansonsten alle Voraussetzungen für ein solches erfüllt. Schon jetzt sei die Breite des Strandes etwa um die Hälfte zurückgegangen und es sei nur eine Frage der Zeit, bis er verschwinden würde, wenn der Sandabbau in dieser Form fortgesetzt würde.

Jorge Nogueira, der Vorsitzende der Gemeindevertretung, erklärte, dass die Erhaltung des Strandes natürlich ein wichtiges Ziel der Stadtverwaltung sei, dass er aber auch die wirtschaftliche Entwicklung der Insel im Blick haben müsse, ebenso wie das Wohlergehen von Hunderten von Menschen, die direkt oder indirekt von der Bauwirtschaft und damit von dem Sandabbau abhängig seien, zu dem es aktuell keine Alternative gäbe.

Die Alternativen zum Sandabbau am Strand Fonte Bila werden allerdings ebenfalls schon seit 10 Jahren diskutiert: z.B. Sandabbau in den Schluchten im Inselinneren, Sandimporte aus Mauretanien oder Gesteinsmühlen, um aus Lavaschlacke Sand herzustellen. Alle Alternativen haben aber eines gemeinsam: sie sind aufwändiger und teurer als das jetzige Verfahren und so hat sich die Bauwirtschaft bisher durchgesetzt und alle Versuche, neue Wege der Sandgewinnung zu finden, sind in eben diesem verlaufen.

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